Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Kommerzienrat Arnold
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Aber nicht hier bei den ungemütlichen Spuren genossener Tafelsreuden. Darf ich die Herren Litten — Sie folgten ihm in das behagliche Dämmerlicht des Rauchzimmers, von dessen breitem Fenster die Glasmalereien einen violetten Dunst träumerisch um alle Dinge woben. Im dunkelsten Teil des Raumes, seinen Gästen abgewandt, wanderte der Hausherr ruhelos, wie im Selbstgespräch auf und ab. Es war seiner Seele eine Notwendigkeit, einmal vor Menschen, vor diesen Menschen, zwischen denen er zwanzig Jahre gelebt, die Vergangenheit hervorzuwälzen, deren Härten sich unverrückbar in seinem Innern, scharfkantige Versteinerungen, zwischen die weichere Materie des Gegenwartslebens geschoben. Er erzählte — und in die Lederpolster der Klubsessel geschmiegt, den Havanadamps genußversunken von sich blasend, hatten doch all diese vornehmen Hanseaten das Empfinden, als wären sie in ihren schwarzen Fräcken und der steifen Würde ihrer hohen Halskragen mitten in einen Wirbelsturm und Wolkenbruch hineingeraten, und müßten nun zum eigenen Entsetzen, gegen ihr lebenslang anerzogenes Kulturwesen, barhaupt und barfuß durch Wasserlachen und Lustentfesselungen eines Naturereignisses sich hindurchpeitschen lassen. * * * „Meine Herren — wissen Sie, was ein Schnorrer ist? — Sehen Sie, schon das Wort, ganz ungewohnt jetzt meinem Munde, macht Sie erschreckt auffahren. Nun denn — das ist Einer, der nicht allein nichts hat, sondern Einer, der etwas haben will! Aber nicht etwa als gebührenden Verdienst für seine Arbeit, nein, als Geschenk, als freiwillige Gabe, zu der er jeden glücklicher Gestellten für verpflichtet hält. Ein solcher Schnorrer — war mein Vater. Nicht von Geburt. Was man so einen Herab-