Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Kommerzienrat Arnold
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 223 — lustigem Schnabelklappern mich an meine Gastfreundpflichten mahnen kommt, gibt mir mehr wirkliche Freude, als die Kostbarkeiten aller Länder, die Sie hier rings als mein Eigentum sehen. Freiwillig kommt er, und ich muß täglich von Neuem um seine Gunst werben. Wie schnell verliert doch alles seinen begehrten Reiz im ruhigen Besitz, den uns niemand streitig macht." Man schüttelte zweifelnd den Kopf. „Wir hier haben wohl alle, Gott sei Dank — oder soll ich sagen „leider?" — nie das Herbe der Besitzlosigkeit kennen gelernt. Und wer an seinem sechzigsten Geburtstag auf ein so wohlgegründetes Eigentum blicken kann, wie unser verehrter Gastgeber heute, der mag sich wohl auch einmal am Luxus einer unbesessenen Freude genügen lassen." Sanitätsrat Setigs dunkler Kopf senkte sich nachdenklich vor den blonderen rings. „Das Aufwachsen in gesicherten, sorglosen Verhältnissen, die allein unsern Kindern eine gute Kinderstube ermöglichen, ein Metallglanz, der sie vergoldet — unbeschadet natürlich einer guten, christlichen Erziehung —" Klang da nicht ein Lachen durch den Raum? so schrill, daß selbst der aufwartende Diener — gewohnt in diesem wohlgeschulten Haushalt gleichsam blind und taubstumm, nur seinen Obliegenheiten ergeben, durch's Zimmer zu huschen, im Servieren des Nachtisches inne hielt und erschreckt auf seinen Herrn blickte, an dem er nur eine steif gemessene Art kannte. Peinliches Schweigen lastete plötzlich grau über dem eben noch so farbenfrohen Raum. Selbst die Blüten der Tischdekoration schienen einen Augenblick den Atem änzuhalten. War da mit taktlosem Finger an eine Tür gemocht worden, die ihnen allen hatte verschlossen bleiben sollen? Die guten Bekannten, zum Teil sogar die Freunde »