Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Kommerzienrat Arnold
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3111067-3111104-3116912--5415-3117173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
232 der eigenen und die Tränen jener fremden, nicht fortwischen lassen. Den Namen des gestorbenen Knaben gab man mir ihr zu Ehren: „Aron!" Sie sehen, ihmein ganz neues Gepräge zu verleihen, hatte ich nur nötig, die Stellung der beiden Endbuchstaben zu vertauschen. Arno — wer denkt dabei noch an jenen tapferen Mosesbruder, der dem ermatteten Gottesstreiter die Arme hochgehalten in der Schlacht? und dessen Namen den verehrten deutschen Mitmenschen nur mit dem lächerlichen Nachton eines mißliebigen Volkes in die Ohren klingt. Dieser Name Paßte gar gut zu dem andern, den einst der Großvater, — ehedem wie alle Juden ohne eigentlichen Familiennamen durch Staatsgesetz gezwungen, sich beigelegt hatte. Ein seltsamer Name übrigens: „Aronhold." Aber ich strich ihm ein „o", das war wie Line wehmütige Absage an die Vergangenheit — und ein „h", darin ein Erleichtertes, Zukunftfreudiges mitschwang.' Oh—ha! und aus Aron Aronhold, dem mißachteten Wanderjudensprößling entpuppte sich „Arno Arnold!" Der Medizinalral Setig nickte verständnisinnig: „Ja. ja, Aron Aronhold!" und lächelte still für sich hin im Gedanken an das „l" in seinem eigenen Namen, das als blitzblankes „t" aus der Taufe hervorgegangen. „Im Frühling ward ich geboren, und als die Eltern die galizische Heimat der Mutter erreichten, war es Winter geworden. Sie hatten sich nicht sonderlich beeilt, wußten ja, daß niemand dort sie erwartete. Eltern lebten ihnen längst nicht mehr. Brüder, Schwestern waren selbst blutarme Leute; das einzige, woran sie Ueberfluß hatten — Kinder! Und da kam diese fremdgewordene Schwester und brachte noch zwei winzigkleine Schreihälse mit, die gesättigt sein wollten, und einen Mann, der zwar Vieles gelernt hatte in seiner Jugend, nur eins nicht: die Hände zu rühren und zu arbeiten.