Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Kommerzienrat Arnold
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 16)
- Language
- German
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237 eben solchem einen frohen Schimmer lieh: da glaubten unsere beglückten Kinderherzen an Zauberei. Mit den Kindern einer Zigeunerfamilie aus der Nachbarwohnung sprangen wir in vertrautester Freundschaft treppauf und -ab. Als der Zigeunerbub' ein silberweißes Kätzchen, das er aus der Wochenstube der Hauskatze sich erbettelt hatte, für ein Stück des Sabbatgebäcks mir überließ: Schöneres könne. die Welt nun nimmermehr für mich haben! meinte da mein törichter Kindskopf. Und vielleicht — hat er recht gehabt. -Verzeihen Sie, werte Freunde, daß ich mit dieser anmaßenden Breite des Erzählens Ihre Geduld mißbrauche, aber — es war die glücklichste Zeit meines Lebens. Sie schauen mich ungläubig an — ja meinen Sie, daß Kommerzienrat Arnold vor seinen englischen Vollblutpferden je diese überquellende Seligkeit gefühlt hat, die das weiße Kätzchen dem heimisch gewordenen Vagabundenknaben gab?- Inzwischen wurde das Schwesterchen in jeder Woche einmal von einem elegant befrackten Diener abgeholt und zu unfern Wohltätern hinausgeleitet. Sämtliche Kinder jener Hinterhäuser, wohl über hundert, — die sonst den Judenbälgern jeden Schabernack spielten, — bildeten dann mit aufgesperrten Mäulern und Augen Spalier, wenn Rahel im blütenweißen Kleid, das der Bediente nebst anderen zierlichen Kleidungsstücken gebracht, neben ihm hertrippelte, in wunderfeinen Goldkäferschuhen — ein in die Elendsumgebung verwunschenes Feenkind — die Pfützen des Hofes übersprang. Oft habe ich später vor Würdenträgern aller Art, vor Herrschern sogar gestanden — eine so unbegrenzte Ehrfurcht hat mir nie einer von ihnen eingeflößt, wie damals jener goldblitzende Lakai. Und doch quoll es jedesmal heiß in mir empor und fast, bitter, wenn ich ihn von Weitem erspähte. War es doch, als nähme er mir das beste und reichste Stück meines Jugendlebens mit fort.