Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Kommerzienrat Arnold
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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225 dings, waren die Erlebnisse meiner Kindheit und Jugend eine etwas seltsame Vorbereitung. Es fiel vorhin das Wort „von einer echt christlichen Erziehung" — meine Herren, es wird Sie weniger die Tatsache, als Ihre zwanzigjährige Unkenntnis derselben in Erstaunen setzen — ich bin Jude! Jawohl, Kommerzienrat Arnold, der ungezählte Summen parteilos evangelischen, katholischen und jüdischen Wohltätigkeitsanstalten zugewendet hat, ist Jude! Sie nahmen das für tolerantes Weltbürgertum des ehemaligen Auslandwanderers. Ich tat nichts, da Sie ohne weiteres mich als von Ihrem Blute ansahen, Ihren Irrtum klarzustellen. Einfach, weil mich niemand danach gefragt hat. Ach, werte Freunde — darf ich Sie nach diesem weiter so nennen? — meine Jugend hat so viel, so jämmerlich viel von Haß und Verachtung gegen den heimatlosen Juden erfahren und ertragen müssen, daß Sie vielleicht verzeihlich finden werden, wenn mein wundgeschlagener Rücken sich recht durchsonnen lassen wollte von Jahren des Geachtet- und Umworbenwerdens. Und doch hier innen" — indes alle ihn anstarrten, als wäre da einer, den sie noch nie gesehen, preßte die Hand des Sprechers sich gegen den bunten Ordensschmuck, den fürstliche Dankbarkeit verschiedener Länder dem Großkaufmann auf den schwarzen Frack gehängt. — „Hier unter dem bunten Tand Hab' ich mich gesehnt nach diesem Augenblick. Daß er heute gekommen — es war nicht vorbereitet, nicht Absicht war's. Eine harmlose Phrase, wie die unseres verehrten Sanitätsrats von „der guten christlichen Erziehung", und dann „die gute Kinderstube" — tausendmal hingeworfen, tausendmal gehört: heute an diesem 60. Geburtstage, da das Leben als etwas Abgeschlossenes hinter mir liegt — sie traf mich heute anders, riß von da innen etwas ans Licht. Ich weiß, daß ich nun die Pflicht habe, Ihnen zu erklären. 15 .