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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 231

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Kommerzienrat Arnold
Date
1916-01-01
Page
Seite 231 (sequence 10)
Language
German
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231 gegen Gehässigkeiten aller Art, die auch seiner glücklicheren Jugend nicht gefehlt, dieses Blutes Wallungen niederzuringen. Daß er das konnte, ohne am leichtherzigen Frohmut seines Wesens einzubüßen, gab ihm das unbedingte Uebergewicht über die Schwerfälligkeit der anderen. So suchte er auch jetzt seine Ergriffenheit zu verstecken hinter einem Scherzwort, das fast banal über die Situation hinwegglitt. „Hat Ihnen nichts geschadet, Freund Arnold, ich kann's bezeugen. Haben Ihren alten Hausarzt selten genug in Nahrung gesetzt! Aber weiter! weiter!" — „Jndeß der Vater wanderte, in Nachbarstädten sein Heil zu versuchen, brachten mildtätige Seelen das Schwesterchen zu armen Schustersleuten in Pflege. Im Spital waren Kinder nicht vorgesehen. Die Eltern erinnerten sich später oft, wie verblödet und verschüchtert das Kind ausgesehen, als sie nach Wochen es zurückholen durften; hätten's kaum als ihr eigenes erkannt. Mir selbst hatte indessen die reiche Frau eines Gemeindevorstehers, die kurz zuvor den eigenen kleinen Knaben unter die Erde gebettet, ein Goldstück in das erste Badewasser geworfen. Nach einer schönen alten Judensitte mit einem Segensspruch das Erdenglück, das ihr eigen totes Kind nicht mehr genießen konnte, dem fremden, armen zuwinkend." Der Kommerzienrat nestelte von seiner kostbaren Uhrkette eine Kapsel, mit einem abgegriffenen Goldstück darin, das längst außer Kurs, ein sogenannter Napoleonsdor, wie er einst in polnischen Gegenden in Umlauf. „Die Mutter hat ihn gehütet, mit abergläubischer Sorgfalt in den schwersten Zeiten, selbst vor dem Vater verborgen, der ihn gar schnell zu wechseln gewußt hätte. Es ging mir oontrs-oosur, meine Herren, dieses abgegriffene, schmierige Stück da blankputzen zu lassen. Ich mochte die Liebe zweier Mütter, den Schweiß

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