Mannheim
Compact Memory
3,400 pages · page 29Sort: oldest first · newest first
Pages per year (click a year to narrow down)
19,689
176818892011
  1. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. [Seite]

    OuÖen und Zigeuner. Im Schatten ruht am Waldesrande Die feiernde Zigeunerbande. Es hängen flüsternd in den Zweigen . Der gelle Zimbal und die Geigen. Die Kinder, baar der Kleiderfessel, Sehn zu dem Sud in einem Kessel. Ein Weib schürt unter…

  2. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 284

    284 »Eh! mußt nicht gleich so finster schmollen: Ich habe Dich nicht kränken wollen. »Kannst Du das Land noch nicht vergessen, In dem die Väter dein gesessen? »Sieh diese Wiesen, diese Saaten — Wie ist das Heuer schön gerathen! »Gut ist doc…

  3. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 285

    285 »Den alten Fluch will ich betrügen: Im Schweiß des Angesichts zu pflügen. »Ei mögen plagen sich die Andern, Ich will genießen, ich will wandern. »Und wenn sie einst mich nicht begraben, Thun's meine Freunde schon, die Raben!?« Und lache…

  4. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. [Seite]

    Eisik's ZZritte. Eine Geschichte, von Leopold Kompert Warum läßt Gott die alten Leute aussterben und mit ihrem schönen weißen Haare in die Erde legen? Warum schont er nicht …

  5. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 287

    287 aufzustehen. Besonders Rebb Eisik Maier (dem der Friede der Gerechten sei) möge sagen, wie ich ihn geliebt habe, und um dieser Liebe willen mir es auch in seiner andern Welt verzeihen, wenn ich in dieser von ihm zu erzählen wage. Noch j…

  6. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 288

    288 ' der Gemeinde, noch Lm geselligen Verkehre. Mit der Stille eines gefaßten Gemüthes ging er seinen Weg; nur selten, daß er davon abwich. Das geschah nur, wenn ex Streitigkeiten in der Gemeinde zu schlichten hatte, wie sie selten lange a…

  7. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 289

    289 r Eisik, der nur wenig aus dem Hause kam, Alles, was sich tu der Gemeinde zutrug: von der Kindbetterin an, die am nächsten Sabbath ihren ersten »Schulgang« machen sollte, bis zur kleinsten »Partie« in der Gasse, die von irgend einem »Sc…

  8. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 290

    …r zwei vergehen, Daniel! laßt sie Mann und Weih sein, Kinder um sie herumschreien und dergleichen, dann seht zu, Daniel Kremsier, ob er noch die Brille auf hat.« Der Gemeindesänger war als Zeitungsblatt viel zu diplomatisch, als daß er durch Widers…

  9. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 291

    291 und her, bis am Ende der Sieg den jünger» Gemeindemitgliedern zufiel. Die Jüngern hatten einen »Prediger« durchgesetzt, und mit diesem einen »geregelten« Gottesdienst. Am meisten von diesen tiefeinschneidenden Veränderungen ward Daniel …

  10. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 292

    …ahre kennt?« »Das Lst's, was Euch so mager macht, Daniel?« meinte Rebb Eisik wieder mit seinem ruhigen Lächeln. »Daniel Kremsier, seid kein Narr auf eure alten Tage, und zieht auch Ihr die Brill' einmal aus.« »Wie heißt, Rebb Eisik?« fragte der pen…

  11. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 293

    …meinde und hat die Brille heruntergenommen, ganz wie Rebb Eisik es ihm angerathen hat. So wie dem Gemeindesänger Daniel Kremsier erging es noch vielen Andern, denen Rebb Eisik mit seiner Brille kam. Nicht Jeder lachte darüber, Manchem, fuhr sie wie…

  12. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 294

    294 selbst emstellt. Ich möchte mit Euch eine Million wetten, Daniel, daß wir Beide es noch erleben, wie der Prediger seine Brille herunternimmt.« Offenherzig gestanden, so gut sonst Daniel Kremsier die Brillensprache seines Freundes versta…

  13. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 295

    295 chende Stimme in seinem Innern hielt ihn zum Glücke von diesem unüberlegten Schritte ab. Die Beschämung behielt die Oberhand. Er beschloß den alten Mann, den er nur oberflächlich hatte kennen gelernt, aufzusuchen; es zog ihn wehr als ge…

  14. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 296

    296 hätten Sie nicht etwas unterlassen, wie Sie Ln diese Stube eingetreten sind.« »Ich hätte etwas unterlassen?« rief der junge Prediger lebhaft. »Dort an der Thüre,« meinte Rebb Eistk, indem er seinen Finger ausstreckte, »hängt eine Mesusa…

  15. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 297

    297 goldenen Kalbes?« rief der junge Prediger in hoher Aufregung. »Nein, Herr Prediger,« meinte der Alte milde, »ich meine den leuchtenden Schein um seinen Kopf, den ihm Gott geliehen hat, wie er die steinernen Tafeln brachte.« »Rebb Eisik,…

  16. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 298

    298 neu und verstehen Ihre Sprache. Sollt' man nicht meinen, Sie hätten jetzt gerade über eine Stelle in der Thora gesprochen, über die ein Anderer weggeschluppert, während Sie etwas Schönes und Erhabenes darin finden! Aber glauben Sie nur …

  17. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 299

    299 ein Wechsel vorgekommen, auf dem die Unterschrift meines Vaters gestanden ist, so hat er gewiß gesagt: der ist so gut wie baares Geld. Damit will ich nur zeigen, was für ein Mann er gewesen ist. »Meine Mutter war draußen im Reich gebore…

  18. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 300

    300 geworden, ihr Haus auch nur auf eine Stunde zu verlassen. Nur in der Frühe und am Abend, wenn ich in »Schul* gehen mußte, kam ich von ihr weg; sonst Lin ich feine Minute aus ihren Augen entschwunden. Der Vater war beinahe immer auf Gesc…

  19. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 301

    3Ö1 wäre! Es war mit der Übersetzung von Moses Mendelssohn aus Dessau! »Wie ich mein dreizehntes Jahr' erreicht, sollt' ich in die Fremde, um da ein Geschäft zu lernen. Das war d…

  20. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 302

    …h an dem »guten Ort« vorüberfahre, der, wie Sie wissen, an der Prager Straße liegt, wer kommt mir da entgegen? Naphtali Kremsier, der Vater unseres früheren Gemeindesängers Daniel, der mit Hasenhäutchen ist hausiren gegangen. Der sieht in den Wagen…