Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 343)
- Language
- German
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299 ein Wechsel vorgekommen, auf dem die Unterschrift meines Vaters gestanden ist, so hat er gewiß gesagt: der ist so gut wie baares Geld. Damit will ich nur zeigen, was für ein Mann er gewesen ist. »Meine Mutter war draußen im Reich geboren; der Vater hat sie auf der Frankfurter Messe kennen gelernt, wohin er zweimal im Jahre kam. Es war eine merkwürdig feine und besondere Frau; sie hat geschrieben, deutsch, und jüdisch, wie kaum ein Mann, was in der damaligen Zeit iuel geheißen hat. Man hat ihr auch nachgesagt, daß sie französische Bücher hat lesen können und auf dem Clavier gespielt hat. Das ist Ln jener Zeit wie ein Wunder angesehen worden. Wie aber die Menschen sind! Diese große Brldung ist das Unglück meiner Mutter gewesen. Sie ist deßwegen ordentlich Leschrieen worden und keine Frau Ln der Gemeinde hat sich unterstanden, mit ihr Ln einen nähern Verkehr zu treten. Die Leute glaubten immer, sie müßten mit ihr französisch reden, und weil das keiner wußte, haben sie zuletzt gar nicht mit iht gesprochen. Dadurch ist meine Mutter nie heimisch gewordenen der »Gasse«, sie hat sich immer als Fremde betrachtet! »Nur gegen meinen Vater und mich war sie nicht fremd; uns hat sie sich gezeigt, wie sie war und was in ihr verborgen lag. Als das einzige Kind war ich ihr Augapfel. Gott der Lebendige weiß, woher so eine Mutter all die Liebe und Zärtlichkeit für ihr Kind bekommt. Worauf gar kein Anderer denkt, darauf denkt eine Mutter, was Keinem eine Sorge macht, das bekümmert sie und macht ihr das Herz schwer. Ich will wetten, nicht Amram, der Vater Mofche's ist's gewesen, der den guten Gedanken mit der Prinzessin hatte, sondern seine Mutter. Wie sollte ein Mann auf so etwas verfallen! Man hätte auch von der meinigen sagen können: Gott habe sie eigens zu einer Mutter bestimmt und mich zu ihrem Sohn! »Fremd, wie sie in der »Gasse« war, hatte sie auch kein Verlangen, als ich schon zehn bis zwölf Jahre alt