Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 340)
- Language
- German
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296 hätten Sie nicht etwas unterlassen, wie Sie Ln diese Stube eingetreten sind.« »Ich hätte etwas unterlassen?« rief der junge Prediger lebhaft. »Dort an der Thüre,« meinte Rebb Eistk, indem er seinen Finger ausstreckte, »hängt eine Mesusah, wie sie in jedem guten Jüdenhause zu finden ist. Denn mit Gott soll man eintreten und mit Gott soll man austreten. Diese Mesusah haben Sie unterlassen zu küssen.« Eine brennende Röthe überflog das sonst blasse Antlitz des jungen Mannes. Rebb Eistk bemerkte dieses Zeichen innerer Beschämung; in seinem milden Herzen keimte sogleich die Reue auf. »Weh thun habe ich Ihnen nicht wollen, Herr Prediger,« sagte er, und drückte inniger auf dessen Arm. »Ich danke Ihnen, Rebb Eistk,« rief der junge Mann und ergriff die Hand des Greises, »ich danke Ihnen für die Lehre, die Sie mir so eben gegeben haben. Ich will sie nicht vergessen.« Rebb Eistk wußte nicht wie ihm geschah. Er schaute dem jungen Mann eine lange Weile in das geröthete Gesicht. Vielleicht war es Argwohn, der in diesem Augenblicke sein sonst so mildes Gemüth durchzuckte. Ein junger Mensch in der Blüthe und Fülle seiner Jahre stand — so vor ihm und er hielt ihn doch für beleidigt! Daun aber rief er mit weicher Stimme: »Um Gottes Willen reden Sie nicht weiter, Herr Prediger. Es ist nicht gut, wenn Derjenige, der Gottes Wort zu verkündigen hat, seine Fehler sogleich eingesteht. Es ist das nicht gut. Was soll dann der gemeine Mann thun? der muß am Gelehrten immer das sehen, was die Kinder Israels an Mosche gesehen haben, wie er vom Berg Sinai heruntergestiegen ist.« »Meinen Sie den heiligen Zorn beim Anblick des