Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 342)
- Language
- German
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298 neu und verstehen Ihre Sprache. Sollt' man nicht meinen, Sie hätten jetzt gerade über eine Stelle in der Thora gesprochen, über die ein Anderer weggeschluppert, während Sie etwas Schönes und Erhabenes darin finden! Aber glauben Sie nur nicht so etwas von mir, Herr Prediger. Ich Hab' wirklich die Brille abgelegt.« »Wie?« fragte der junge Mann mit einiger Verwirrung. »Oder besser gesagt,« ergänzte sogleich Rebb Eistk, »ich Hab' eine wirkliche Brille abgelegt.« Der Prediger starrte den Sprecher mit einer Miene an, als sei er überzeugt, dieser rede irre. »Sie wissen also wirklich noch nichts von meiner Brille?« rief Rebb Eisik,der die Verwunderung des Predigers wohl bemerkt hatte. »Kein Wort,« betheuerte der junge Mann. »So freut es mich wirklich in der Seele, daß ich gerade Ihnen die Geschichte von meiner Brille wieder erzählen kann. Hier in der »Gasse« kennt sie jedes kleine Kind. Sie sollen daraus ersehen, Herr Prediger, daß ich Ihnen am allerwenigsten habe mit meinerBrille weh thun wollen.« »Rebb Eisik!« rief der Prediger mit Vorwurf. »Gut, gut,« meinte der Alte, »entscheiden Sie selbst, wenn ich fertig bin. Werden Sie aber auch Geduld genug haben, einen plauderhaften alten Mann so lange anzuhören?« »Tage lang könnte ich Ihnen zühören!« rief der Prediger begeistert. Rebb Eistk lächelte fein und begann: »Ich bin das einzige Kind sehr reicher Eltern gewesen. Da Sie in unserer Gemeinde nicht geboren sind, so können Sie auch nicht wissen, was für ein Mann mein Vater gewesen ist. Stellen Sie sich nur das Eine vor. Wenn man von Rebb Anschel Maier gesprochen hat, so hat man sich darunter etwas, wie jetzt Baron Rothschild vorgeftellt. In ganz Böhmen und Mähren, ja selbst in Wien hat man seinen Namen gekannt, und wenn Einem