Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 333)
- Language
- German
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289 r Eisik, der nur wenig aus dem Hause kam, Alles, was sich tu der Gemeinde zutrug: von der Kindbetterin an, die am nächsten Sabbath ihren ersten »Schulgang« machen sollte, bis zur kleinsten »Partie« in der Gasse, die von irgend einem »Schadchin« unter dem Schleier des tiefsten Geheimnisses vorbereitet wurde. Daniel Kremster war ein lebendiges Zei- Lungsblatt, nur mit dem Unterschiede, daß Zeitungsblätter öfters lügen, der Gemeindesänger aber niemals log. Denn dafür hatte er, wie bereits gesagt, eine zu durstige Seele, und eine solche spricht bekanntlich nui Wahrheit. Durch diesen Daniel Kremster sind nun eine Menge von Äußerungen und Urtheilen, wie sie Rebb Eisik in den vertrauten Unterredungen mit seinem Zeitungsblatt zum Besten gab, bekannt geworden. Sie laufen alle auf die »Brille« hinaus, und man wird sogleich sehen, wie sich die ganze Lebenssumme von Erfahrungen, die gesammte Ladung möchte ich sagen, die mein alter Rebb Eisik aus. den Stürmen und Fluten seines Dasein ans Land gerettet hatte, in diesen wenigen Worten gesammelt hatte. Daniel Kremster brachte einmal, nachdem er die Kehle sattsam angefeuchtet hatte, die Meldung, es sei von einer »Partie« in der Gaffe die Rede, die nach seiner Meinung nichts zu wünschen übrig lasse. Der Bräutigam »habe« nichts und die Braut habe noch weniger. Aber sie wären sich Beide merkwürdig zugethan, und wenn mau dem Bräutigam eine blanke Million auf den Tisch auszählen würde, so ließe er auch von dem Mädchen nicht ab. »Und das meint Ihr im Ernst, Daniel?« fragte Rebb Eisik mit einem gewissen schelmischen Lächeln, das dem alten Manne sehr wohl anstand. »Was heißt, Rebb Eisik?« betheuerte der Gemeiudesänger. »Ist denn das nicht eine Partie, wie es keine bessere gibt, wenn der Eine nichts hat und der Andere auch nichts und Keiner was zu verlieren hat?« »Daniel Kremster, mir scheint, Ihr habt erst Ein Glas getrunken,« sagte Rebb Eisik mit vollem Ernste, »schenkt Jahrb. f. Jsr. 1857. 19