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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 291

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 291 (sequence 335)
Language
German
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291 und her, bis am Ende der Sieg den jünger» Gemeindemitgliedern zufiel. Die Jüngern hatten einen »Prediger« durchgesetzt, und mit diesem einen »geregelten« Gottesdienst. Am meisten von diesen tiefeinschneidenden Veränderungen ward Daniel Kremfier, der Gemeindesänger, betroffen, denn fie gingen ihm fast ans Leben. Er sollte nicht mehr die schöne Kunst seiner gesungenen'Schnörkel üben, nicht mehr die wildaufschreienden Melodien einer uralten Zeit vor den Ohren der Leute, die feiner geworden waren, anbringen! Eine andere Zeit war gekommen und mit ihr ein musikalischer »Cantor«, der im Chore des trefflichen Sulzer in Wien gebildet worden war. Daniel Kremster ward mit vollem »Gehalte« verabschiedet; er war das Opfer eines Kampfes geworden, den man in unserer wortreichen Zeit die »Uebergangsphase« zu nennen Pflegt. Dieses schreckliche Wesen fuhr wie ein schweres Wagenrad über den Leib des armen Gemeindesängers! Traurig und tiefbekümmert kam eines Abends Daniel Kremster zu seinem alten Freunde. »Was ist mit Euch vorgegangen, Daniel?« ries ihm dieser erschrocken entgegen, »Ihr seht ja aus, als hättet Ihr achtundvierzig Stunden hintereinander gefastet?« »Sieht man mir's also an?« meinte der Gemeindesänger wehmüthig und beschaute mit einer Art von Lust seinen ohnehin spindeldürren Leib. »Ist denn ein Wunder, wenn ich so aussehe? Ich frag' Sie, Rebb Eisik: muß das Einem nicht das Herz abstoßen, wenn man dreißig Jahre vor Gott und den Menschen gesungen hat, und jetzt kommt so ein Hergelaufener, der nicht einmal »Hebräisch« recht lesen kann, und schnappt Einem das Brot weg?« »Weggeschnappt hat er es Euch nicht, Daniel,« bemerkte Rebb Eisik ruhig, »und ich denke, dieGemeinde läßt es Euch an nichts fehlen. Euer Brot habt Ihr, Daniel.« »Was Hab' ich vom Brot,« rief der abgesetzte Gemeindesänger mit kläglicher Stimme, »wenn ich nicht meht fingen kann? Soll mir das also nicht das Herz abstoßen, 19*

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