Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 301

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 301 (sequence 345)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2609281-2609286--3204-2610548
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

3Ö1 wäre! Es war mit der Übersetzung von Moses Mendelssohn aus Dessau! »Wie ich mein dreizehntes Jahr' erreicht, sollt' ich in die Fremde, um da ein Geschäft zu lernen. Das war damals so der Brauch; nach der Bar Mizwah mußte ein Jüngel fort. Jetzt soll man es anders damit halten; die heutige Welt möchte für dreizehnjährige Kinder noch gerne eine Amme im Hause haben. Die gute Mutter hat lange nicht gewollt; endlich aber hat es der Vater durchgesetzt. Ich bin nach Prag zu dem großen Geschäftsmanne Abraham Taussig gekommen, der zu jener Zeit eine Schreibstube in der Meiselgasse neben der Schul' gehabt hat. Bei dem bin ich volle vier Jahre in der Lehre gewesen und bin während dieser Zeit niemals zu meinen Eltern auf Besuch gekommen. »Ich sollt' mich entwöhnen,« sagte mein Vater. Gut! ich Hab' mich entwöhnt, Hab' gelernt, was zu lernen war: aber wie die vier Jahre um waren, und ich einmal einen Brief erhalte, daß ich nach Hause kommen sollt', da Hab' ich mich doch außerordentlich gefreut. Denn mit mir war indessen eine große Veränderung vorgegangen. Als ein kleiner »Krupp« hatte ich die Heimat verlassen, in die Höhe geschossen wie eine Hopfenstange kehrte ich zurück. »Was werden die Leute in der »Gasse« zu Dir sagen? fiel mir jeden Augenblick ein. Nun weiß ich nicht wie es gekommen ist. Einen Tag vor meiner Abreise gehe ich durch die Zeltnergaffe; ich wollt' mir die Stadt noch einmal ansehen. Da bleibe ich, ohne daß ich eigentlich an etwas Bestimmtes dachte, vor dem Gewölbe eines Brillenmachers stehen. Wie ich mir so eine Weile die verschiedenen Dinge in dem Auslagkasten betrachte, kommt mir plötzlich der Gedanke: Wie wär's, wenn ich mit einer Brille vor den Augen vor meine Eltern hintreten möcht'! Mit so einer Brille sieht man wenigstens um etliche Jahre älter aus. Die Leute werden Dich dann gar nicht erkennen.« »Ohne weitere Ueberlegung trete ich also in den Laden ein, und kaufe mir die erste beste Brille!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.