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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 293

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 293 (sequence 337)
Language
German
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IRI
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293 mußte dem Rathe des Alten beistimmen, wie schwer es immer dem Opfer der neuen Zeit fiel. Und in der That, der abgesetzte Gemeindesänger zehrt noch heut zu Tage am Gnadenbrote der Gemeinde und hat die Brille heruntergenommen, ganz wie Rebb Eisik es ihm angerathen hat. So wie dem Gemeindesänger Daniel Kremsier erging es noch vielen Andern, denen Rebb Eisik mit seiner Brille kam. Nicht Jeder lachte darüber, Manchem, fuhr sie wie ein spitzer Pfeil in die Seele. Selbst der neue Prediger entging ihr nicht. Der junge Mann hatte im ersten Eifer seiner Stellung an gar Manches in der Gasse die Art gelegt und ins Feuer geworfen, das gar nicht abgestorben oder gar tobt war, sondern bei einiger Nachsicht sogar ein schöneres Nachleben versprach. »Gebt gut Acht, Daniel,« sagte einmal Rebb Eisik zu seinem abgesetzten Gemeindesänger, »gebt gut Acht: der Prediger wird auch bald seine Brill' herunternehmen!« »Leider Gotts aber,« klagte Daniel, in dessen Gemüth trotz alles Weines noch ein bitterer Tropfen lag, »leider Gotts! er hat sie aber noch auf. Soll man warten, bis kein Jüdenkind mehr in der »Gaffe« sein wird? Dann wird er sie gewiß herunternehmen.« »Schadet nichts, Daniel, schadet gar nicht,« bemerkte dagegen Rebb Eisik. »Die Jüdenkinder hören sobald nicht auf, aber der Prediger wird bald aufhören. Auch er hat die Brill' noch auf, und da meint er, er sieht jedes Fleckele und jedes schwarze Pünctchen in unserer heiligen Religion doppelt so groß als sie sind. Er ist umgekehrt wie jener Bräutigam! Der hat zu viel Schönes an seiner Braut gesehen und unser Prediger steht wieder zu viel Schwarzes. Der Eine hat schon die Brille herabgezogen, der Andere wird es auch thun. Und je länger es dauert, Daniel, desto besser. Denn je hastiger Einer eine Sache in sich ausnimmt, je fester er überzeugt ist, daß er in der Sache Recht hat, desto gründlicher ist dann seine Besserung. Nur die Menschen nicht zwingen! nur abwarten, bis das Nachdenken sich von

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