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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 287

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 287 (sequence 331)
Language
German
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287 aufzustehen. Besonders Rebb Eisik Maier (dem der Friede der Gerechten sei) möge sagen, wie ich ihn geliebt habe, und um dieser Liebe willen mir es auch in seiner andern Welt verzeihen, wenn ich in dieser von ihm zu erzählen wage. Noch jetzt kann ich mir keine Rechenschaft ablegen, warum ich gerade Rebb Eisik Maier so sehr in mein Kinderherz eingeschlossen hatte. Zhm vor Allen hing ich an, wiewohl ich Großvater und Großmutter nicht mißte; an seinem ehrwürdigen Antlitz hasteten meine Blicke, wenn er betete; und traf es sich einmal, daß ich mit ihm zugleich in die Hallen des Bethauses eintreten konnte, so gab es gewiß kein seligeres Gemnth als das meine. Ich liebte ihn mit jener Unbewußtheit, die stets das Merkmal echter Liebe ist, weil nur sie uneigennützig ist. Ich könnte mich auch nicht erinnern, ob ich jemals von Rebb Eisik ein anderesZeichen der Gunst erfahren habe, als daß er mir am Vorabend des »Freudenfestes der Thora« ein buntes Panierchen schenkte, das er mir eigens ins väterliche Haus mit den Worten geschickt hatte: es komme von Rebb Eisik Maier! Aber dieses Panierchen hielt ich auch hoch und theuer; kein Fähnrich in blutiger Schlacht hätte sich muthiger gewehrt, wenn einer von meinen Feinden gewagt hätte, es mir zu entreißen. Es kam von Rebb Eisik — und so ward das Panierchen auch nicht zum Trödel geworfen, nachdem es am Freudenfeste seine Schuldigkeit gethan, auch nicht zerrissen, sondern heilig und unverletzlich aufbewahrt, wie der Glaube an ein Märchen, und gleich diesem ging es auch im Laufe der Zeiten verloren! Rebb Eisik wohnte in dem schönsten Hause der ganzen »Gasse«; er galt allgemein als ein sehr reicher Mann. Spiegelhell glänzten dieFenster diesesHauses,aber eben so rein erschien der alteMann in seinem Anzuge und sonstigen Benehmen. Er trug stets ein weißes Halstuch, das schon aus der Ferne festtäglich glänzte; sonst trug er sich ganz nach der herrschenden Mode. Er war überhaupt von keiner hervorstechenden Eigentümlichkeit; sein mildes Wesen bewahrte ihn davor. Bei keiner Gelegenheit drängte er sich vor, weder in

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