Mannheim
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  1. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 14

    14 schrift nicht durch allgemeine Belehrung über die Pflichten des Lebens oder durch Anweisung und Kontrollirung des Zöglings in der Uebung seiner besonderen Pflichten genügt werden, sondern im Gegentheil durch die naturgemäß sortschreitend…

  2. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 15

    15 wird endlich mit dem Gefühl der vollen Selbstständigkeit, d. h. der vollen Selbstverantwortlichkeit in's Leben treten, das seinen Blick jederzeit auf die Erkenntniß seiner Pflichten lenkt und ihm das Gebot ihrer Erfüllung lebendig vor Au…

  3. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 16

    16 In natürlichem Anschluß an diese erste Forderung wird die zweite Vorschrift lauten: Lehre deinen Zögling seine Pflicht achten. Der gefährlichste Feind der Pflichttreue ist Leichtsinn und Leichtfertigkeit. Der Leichtsinnige giebt seinen W…

  4. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 17

    17 Der Pflicht muß die Neigung und die Abneigung weichen. Neigung, die der Pflicht widerspricht, ist Täuschung oder Leidenschaft — unterdrücke sie; Abneigung, die sich der Pflicht entgegenftellt, ist Ungerechtigkeit oder Schwäche — überwind…

  5. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 18

    18 dich zur Pflichterfüllung mahnt. Hast du aber dennoch den rechten Tag versäumt, so thue heute, was du gestern versäumt hast. Gestern mußtest du fürchten, daß es heute zu spät sein könnte; heute mußt du wissen, daß es spät, aber nicht zu …

  6. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 19

    19 vollkommen gethan zu haben. Die Enttäuschung wird schmerzlich, aber selbstverschuldet sein, wenn dir dieses nicht gelingt, weil du Jenes nicht gewürdigt. — Die vielen kleinen Pflichten, die du nicht erfüllt, hängen sich an deinen Fuß, we…

  7. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 20

    20 Entschluß zur Arbeit, sobald ihm das vollendete Werk nur als Bild, als Vorhaben vor der Seele schwebt. Lehre deinen Zögling diese Freude kennen und würdigen und du wirst seinen Sinn von dem Verlangen und Jagen nach den sogenannten Freude…

  8. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 21

    21 der Arbeit und an der Pflichterfüllung kennen und würdigen lernen, so mußt du es ihm auch möglich machen, gut zu arbeiten, d. h. das Maaß, dessen was du von ihm forderst, in steter Uebereinstimmung mit seinen Kräften halten und ihm weder…

  9. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 22

    22 Produkt der gebietenden Willkühr, oder gar der zufälligen Laune erscheinen; lege ihm keine Entbehrungen, keine Beschränkungen auf, von denen er für sich und Andre keinen Vortheil zu erkennen oder doch zu begreifen vermag; fordre keine Th…

  10. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 23

    23 Thuns durch Andere, um zur sicheren Beurtheilung unserer selbst zu gelangen. — Aber nur richtig verstanden und geleitet führt der Ehrgeiz zu einer Erhöhung und Anspannung unserer sittlichen Kraft, andernfalls ist seine Wirkung eine irrel…

  11. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 24

    24 Wie dex Ehrgeiz, der nicht auf Anerkennung unserer Leistungen, sondern unserer Person gerichtet ist, nothwendig die Freude an der Arbeit als solcher trüben und verkümmern muß, so kann die Pflichterfüllung uns überhaupt nur eine reine Bef…

  12. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 25

    25 geführt, Haft ihm Achtung vor derselben gelehrt und ihn Freude an ihrer Erfüllung finden lassen — willst du ihm die Erwerbung dieser sittlichen Güter erleichtern, so Lehre ihn den Werth der Pflichterfüllung an dem Beispiel seines Mitmens…

  13. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 26

    26 Jugendlehrer. „Nur wer selbst gut ist, kann mit Erfolg an der sittlichen Veredlung Anderer arbeiten" lautete der Wahlspruch meines unvergeßlichen Lehrers, der wie kein Anderer es wagen durste, diesen Wahlspruch anzunehmen; der kein Mitte…

  14. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 27

    27 ist. Du bist so glücklich in der Schule eine Vereinigung der verschiedensten Kapazitäten, vielleicht auch der verschiedensten Lebensstellungen zur lebendigen Vergegenwärtigung der Thatsache benutzen zu können, daß das Maaß der sittlichen…

  15. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 28

    28 reit Gestalt, all unsere Fehler und Vergehen in einem verhüllenden Nebel von Entschuldigungen und Rechtfertigungen erscheinen läßt. Darum gewöhne deinen Zögling so frühe und so ernst du es kannst, sich und sein Thun mit Unbefangenheit, m…

  16. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 29

    29 auch nur gescherzt, wenn er die Unwahrheit gesagt, nur geneckt, wenn er seine Mitschüler gekrankt oder verletzt hat, der wird auch später seine Leichtfertigkeit Genialität, seinen Eigensinn Charakterfestigkeit, seine Rohheit Humor nennen…

  17. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 30

    Den pflichttreuen Mann erkennen wir an jener ruhigen, geräuschlosen und sichern Thätigkeit mit der er seinen Beruf erfüllt. — Seine Haltung ist ernst aber niemals finster, würdevoll aber ohne Stolz. Jede Anerkennung erfreut ihn, aber er jag…

  18. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 31

    31 selbst alle ihre Bewegungen lenkt und verschönt, an jener äußern Ruhe und Würde, die das Spiegelbild des innern Friedens ist. Ihr Leiden ist ein stilles und ergebenes Dulden, ihr Helfen ein stilles und anspruchsloses Thun, ihre Freude ei…

  19. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 32

    32 S ch u l n a ch r i ch t e n. Von wesentlichen Veränderungen im innern Leben der Schule haben wir in diesem Jahre nicht zu berichten, wogegen die Anordnungen, über die wir im vorjährigen Programm ausführlichere Mittheilung machten, sich …

  20. 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 33

    33 dem sind die Herren Bernhard Schloesser undS. Tendlau zu ständigen Lehrern der Anstalt ernannt worden. — Ich nehme hierbei Gelegenheit eine Versäumniß des vorjährigen Progra…