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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 26

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1857
Date
1857-01-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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26 Jugendlehrer. „Nur wer selbst gut ist, kann mit Erfolg an der sittlichen Veredlung Anderer arbeiten" lautete der Wahlspruch meines unvergeßlichen Lehrers, der wie kein Anderer es wagen durste, diesen Wahlspruch anzunehmen; der kein Mittel der Disziplin kannte als die sittliche Macht seiner Persönlichkeit, und dessen Einfluß auf seine Zöglinge durch diese Macht seiner Persönlichkeit eine fast unglaubliche war. — Leuchte deinen Zöglingen mit denr Beispiel einer gewissenhaften und unverbrüchlichen Pflicht- und Berufstreue voran, und du hast das Höchste für dieselben geleistet. — Aber das Beispiel des Lehrers reicht nicht aus, er kann nur zum allgemeinen Vorbild, zum Ideal ihres Strebens werden. Das Beispiel der unmittelbaren Nacheiferung, der Prüfstein der Selbstbeurtheilung muß auf der eignen Lebenssphäre gesucht werden. — Willst du aber auf Menschen durch das Beispiel gleichgestellter Mitmenschen, aus Schüler durch das Beispiel von Mitschülern wirken, so mußt du vor Allem das Urtheil über Gleichstehende von den Verirrungen und Fälschungen frei machen, mit denen es nicht selten die Beschränktheit des Egoismus zu trüben pflegt. Gewöhne sie, das Lob ihrer Mitschüler ohne Neid und Mißgunst, ihren Tadel ohne Spott und Schadenfreude zu hören; rege sie für jene zur fteudigen, gegen diese zur schmerzlichen Theilnahme an. Gewöhne sie an Achtung vor den Achtenswerthen, an Mitleid mit den Tadelnswerthen. Lohne du selbst die Pflichttreue deiner guten Zöglinge nicht durch Lob und Ehre, sondern durch Achtung und Vertrauen, laß den Verlust Beider als die schwerste Strafe erscheinen und du wirst die Achtung vor der Achtbarkeit ihrer Mitschüler in das Herz deiner Zöglinge pflanzen. Vergiß aber ja nicht einen Augenblick, daß du den Tribut deiner Anerkennung nicht dem Talent, sondern nur der Pflichttreue geben darfst; denn du kannst in ihre Seele nicht tief und nicht fest genug die Ueberzeugung einpflanzen, daß Talent, ja daß alle andre Gaben und Vorzüge ohne Pflichttreue werthlos, ja im Gegentheil verderblich sind; daß aber Pflichttreue ohne Talent und Fähigkeit vielleicht noch höher steht, als wenn sie mit denselben verbunden

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