Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1857
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
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29 auch nur gescherzt, wenn er die Unwahrheit gesagt, nur geneckt, wenn er seine Mitschüler gekrankt oder verletzt hat, der wird auch später seine Leichtfertigkeit Genialität, seinen Eigensinn Charakterfestigkeit, seine Rohheit Humor nennen. Lehre deinen Zögling die Mängel des eignen Thuns und besonders der eignen Arbeit frühezeitig mit Ernst und Strenge prüfen und du wirst im Stande sein, ihn allmählig zur strengen und gerechten Beurtheilung seiner selbst auf allen Gebieten der Pflichterfüllung zu bilden. Ich meine keinesweges mein Thema erschöpft zu haben, ich wollte nur Andeutungen geben für die Lösung der großen und schwierigen Aufgabe, die dies Thema behandelt, nur auf die Richtung des Weges Hinweisen, den die Erziehung einzuschlagen hat, um zu diesem Ziel zu gelangen. Ich mochte und konnte für diese allgemeine Aufgabe der Erziehung auch das Gebiet der Schule nicht strenge von dem des Hauses trennen und mußte nicht selten sogar die freie Mitwirkung des Zöglings selbst anrufen, denn es gilt hier den ganzen Menschen, deffen Bildung den Eltern wie dem Lehrer in gleicher Weise und endlich auch der eignen Kraft obliegt. Ich bin auch weit davon entfernt, von jedem Erzieher Alles zu fordern, was auf diesem Gebiet geleistet werden kann und soll — die Aufgabe ist für den Einzelnen zu groß und fordert ein Zusammenwirken verschiedener Kräfte. Aber ich meine, es sollte Jedem, der an dem Werk der Erziehung Theil hat, das Ideal eines Menschen vorschweben, der zur Pflichttreue erzogen ist und der sich zur Pflichttreue erhoben hat, damit er nach seinem Theil für die Verwirklichung desselben mitwirke. Und so wollen wir zum Schluß versuchen, uns mit einigen Zügen dieses schöne Bild des Mannes wie des Weibes vor die Seele zu führen, die zu dieser Höhe der Selbstvollendung gelangt sind, damit wir für unser eigenes Thun wie für unsere Einwirkung auf die Jugend das geeignete Vorbild in denselben erkennen.