Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1857
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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21 der Arbeit und an der Pflichterfüllung kennen und würdigen lernen, so mußt du es ihm auch möglich machen, gut zu arbeiten, d. h. das Maaß, dessen was du von ihm forderst, in steter Uebereinstimmung mit seinen Kräften halten und ihm weder zu viel noch zu wenig, weder zu schwere noch zu leichte Arbeiten auferlegen. Allzuleichte Arbeit führt zu leichtfertigem Arbeiten und weckt nicht den Ernst des Willens, der dem Gefühl der Pflichterfüllung erst seinen Werth, seinen wohlthuenden Einfluß auf das Gemüth verleiht. Zu wenig arbeiten räumt den entgegengesetzten Einflüssen des Spielens, des Träumens und des Genießens, besonders auf das jugendliche Gemüth einen zu weiten und zu freien Spielraum ein, als daß die Wirkung, selbst des sorgsamsten Arbeitens, demselben ein ausreichendes Gegengewicht bieten könnte. Ueberhäuftes Arbeiten führt zu hastigem, zu eilfertigem und zu ängstlichem Arbeiten, und wird immer als Last empfunden, die man nur mühselig von sich abzuwälzen sucht und die es daher nicht zum Gefühl der Freudigkeit kommen läßt. Arbeiten endlich, denen unsre Kräfte nicht gewachsen sind, können am wenigsten dem Zweck der sittlichen Kräftigung dienen, den wir hier im Auge haben; denn sie drücken uns während wir damit beschäftigt sind, durch das Gefühl eines vergeblichen Abmühens nieder und wenn wir sie denn doch zu Ende gebracht, gewähren sie uns nicht die Freude an dem Gelingen unsres Thuns, nicht die innere Zufriedenheit mit uns selbst, die nur aus der gerechten Zufriedenheit mit unsrer Leistung entspringen kann. Was aber in dieser Weise von der Arbeit gilt, gilt auch von jeder andern sittlichen Pflichtforderung. Wenn du deinen Zögling zur Pflichttreue erziehen willst, so hüte dich wohl, ihm Verpflichtungen aufzulegen, die seine sittliche Kraft übersteigen, oder deren Lösung ihm keine sittliche Befriedigung gewähren kann. Hüte dich, von ihm zu fordern, was er nur mit innerm Widerstreben, nur mit gewaltsamer Unterdrückung seines eignen Wesens, oder was er gar nur durch erzwungene Verleugnung der Wahrhaftigkeit thun kann. Laß ihm deine Forderungen ja nicht als ein