Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1857
Date
1857-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/9643703-7657848--074-7657865
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

17 Der Pflicht muß die Neigung und die Abneigung weichen. Neigung, die der Pflicht widerspricht, ist Täuschung oder Leidenschaft — unterdrücke sie; Abneigung, die sich der Pflicht entgegenftellt, ist Ungerechtigkeit oder Schwäche — überwinde sie. Du verlierst deinen freien Willen, wenn du dich von ' Neigungen abhängig machst. Du bist seiner nur Herr, wenn du kein Gebot anerkennst, als das der Pflicht. Vor der Pflicht können Schwierigkeiten nicht in Betracht kommen. Es giebt keine Pflicht, zu deren Erfüllung uns die Kraft fehlte. Flüchte dich vor ihrem Gebot nicht hinter das trügerische Wort „Ich kann nicht", denn was wir sollen, das können wir auch, wenn wir es nur ernstlich wollen. Die größte Schwierigkeit ist die Besiegung deines innern Widerstrebens, deiner Trägheit und Muthlosigkeit. Die Kraft wächst mit dem Entschluß und wenn du diesen mit Ernst gefaßt hast, wird es dir an jener nicht fehlen. V Die Pflicht muß dem Vergnügen und dem Genuß vorangehen. Erholung ist nur Lohn der vollbrachten Arbeit und Erkräftigung zu neuer Arbeit. Willst du jene ungetrübt genießen, so darfst du dich an diese nicht mehr gemahnt fühlen. Du kennst an keinem Tage das Maaß der Zeit, über die du verfügen kannst, sie kann dir verkürzt werden. Darum muß das Nothwendige gethan sein, ehe das Angenehme gethan wird. Der versäumte Genuß kann ein nicht gewonnener Besitz sein, die versäumte Pflicht ist eine nicht gezahlte Schuld. Du darfst dich keines Besitzes erfreuen, eh du nicht deine Schuld gezahlt hast. Die Pflicht duldet keinen Aufschub. — Aber zur Pflichterfüllung ist es nie zu spät. Nur was zur rechten Zeit gethan wird, kann recht gethan werden. Du weißt nicht ob die That, die du heut thun sollst und kannst, dir morgen noch möglich, ob sie morgen noch von gleichem Werth ist. Du weißt nicht ob du morgen noch die nöthige Kraft dazu hast. Du kannst deiner selbst nicht für die nächste Stunde gewiß sein, darum laß die gegenwärtige nicht vorübergehen. — So sollst du heute sprechen, wenn es 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.