Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1857
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
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23 Thuns durch Andere, um zur sicheren Beurtheilung unserer selbst zu gelangen. — Aber nur richtig verstanden und geleitet führt der Ehrgeiz zu einer Erhöhung und Anspannung unserer sittlichen Kraft, andernfalls ist seine Wirkung eine irreleitende, eine verderbliche. — Lehre daher deinem Zöglinge nur nach Anerkennung seiner Arbeit und seines Thuns, nicht aber seiner Person zu streben; erfreue ihn, wenn er es verdient, durch gerechte Würdigung seiner Leistungen, nicht durch äußere Auszeichnung, die ihn zur Selbstüberhebung führt. Wer mit seinem Thun immer schon den Gedanken an Lohn verbindet, den er daraus zu gewinnen hoffte, wer nur arbeitet, um der Ehre willen, die ihm dafür zu Theil werden soll, ist nicht mit seiner vollen und ungeteilten Kraft bei der Arbeit, und kommt nicht zum Gefühl der Freude, die er selbst aus dem Vollbringen und Gelingen derselben schöpfen soll. Wenn du seinen Ehrgeiz aus äußere Anerkennung richtest, wird er auch nur auf äußere Mittel zur Gewinnung derselben, auf den Besitz der äußern Zeichen bedacht sein, die das Symbol der Ehre aber nur selten Zeugnisse wahren Verdienstes sind. — Wenn aber dein Zögling mit Ernst und Eifer gearbeitet hat und wenn du willst, daß er in Zukunft auch mit Lust arbeiten soll, so versage seiner Arbeit ja nicht die Würdigung und Anerkennung, die ihm erst das Gefühl ihres Werthes verleiht. — Sorgfältige Korrektur der gelieferten Arbeiten ist eins der sichersten Hilfsmittel für die Förderung des Fleißes bei ihrer Anfertigung. Die Zeit und die Aufmerksamkeit, die der Lehrer auf ihre Beurtheilung und Verbesserung verwendet, ist dem Schüler der Maßstab für den Werth, den er selbst darauf zu legen hat; und nicht nur das Lob, sondern auch der Tadel einer sorgfältig durchgesehenen Arbeit ist ein Sporn für die Sorgfalt des Schülers. Gerade das, worauf der Lehrer besonders seine Aufmerksamkeit richtet, sei es nun äußere Sauberkeit, Korrektheit, Ausführlichkeit, wird auch der Gegenstand des sorgsamen Strebens für den Schüler sein, und wenn er weiß, daß du auf Alles achtest, wird auch er auf Alles seine Aufmerksamkeit richten, was zu einer guten Arbeit gehört.