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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 27

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1857
Date
1857-01-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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IRI
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27 ist. Du bist so glücklich in der Schule eine Vereinigung der verschiedensten Kapazitäten, vielleicht auch der verschiedensten Lebensstellungen zur lebendigen Vergegenwärtigung der Thatsache benutzen zu können, daß das Maaß der sittlichen Achtung, deren sich der Mensch zu erfreuen hat, lediglich durch das Maaß der Pflichterfüllung bestinunt ist, mit der er seiner Stellung im Leben entspricht. Lehre also deinen Zögling erkennen, daß die Pflichttreue auch den Unwissenden und Unfähigen schätzenswerth, den niedrigsten Stand achtungswürdig macht, daß Pflichtverletzung und Pflichtvergessenheit das schönste Talent verkümmert, den höchsten Stand entwürdigt, den Gewaltigsten verächtlich macht. Und wenn du ihn auf diese Weise den Werth der Pflichttreue auch an dem Beispiel Anderer würdigen gelehrt hast, so vollende dein Werk der Erziehung zur Pflichttreue, und Lehre ihn sich zur Selbsterkenntniß und zur Selbstprüfung erheben. Wahr zu sein gegen Jedermann und in allen Lagen des Lebens, ist eine Pflicht, die wir von Jedem fordern können und von unseren Zöglingen auf's Unverbrüchlichste fordern müssen — die erste der Pflichten, ohne die keine andere lösbar ist. — Wahr zu sein gegen uns selbst, ist eine eben so hohe Tugend, aber zugleich eine schwere Kunst. — Wer Andere täuscht, ladet eine schwere Schuld auf sich; aber er kann das Uebel, das er angerichtet wieder gut machen; wer sich über sich selber täuscht, ist der Schuldige und der Beschädigte, der Täuschende und der Getäuschte zugleich. Der Eine kann seinen Fehler nicht wieder gut machen, so lange ihn der Andere nicht entdeckt hat. Täuschung unserer selbst ist darum so leicht, weil kein Widerstand, keine Entdeckung von Seiten des Getäuschten zu fürchten ist; wir wissen im Voraus, daß unsere Täuschung geglaubt, daß sie gern gehört wird. Wahrheitgegen uns selbst ist darum so schwer, weil wir, um sie zu finden, vor Allem den täuschenden Spiegel der Leidenschaft und des Egoismus zerbrechen müssen, der uns all unser Thun in einer schöne-

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