Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
- Volume
- 1857
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
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Den pflichttreuen Mann erkennen wir an jener ruhigen, geräuschlosen und sichern Thätigkeit mit der er seinen Beruf erfüllt. — Seine Haltung ist ernst aber niemals finster, würdevoll aber ohne Stolz. Jede Anerkennung erfreut ihn, aber er jagt ihr nicht nach, er genießt die allgemeine Achtung ohne um sie zu buhlen. Er ist in sich zufrieden, ohne Selbstzufriedenheit und Selbstüberschätzung und fordert von Niemandem mehr, als er selbst zu leisten bereit ist. Gegen Niemanden demüthig, gegen Niemanden hochmüthig umgibt ihn eine gewisse Würde des Bewußtseins, welches auch sein Stand und seine Stellung sei. Unglück beugt ihn nicht nieder, Glück macht ihn nicht stolz und übermüthig. In seinen Ausdrücken bestimurt, in seiner Handlungsweise gleichmäßig ist sein Wort sicher, seine Zusage zuverlässig. Pünktlichkeit und Ordnung herrscht in allem seinem Thun. Er hat immer Zeit für einen Freundschaftsdienst, für eine Gefälligkeit, für eine Thätigkeit zu gemeinnützigen Zwecken. Seine Muße uud seine Erholung wird selten dem rauschenden Vergnügen gewidmet sein, aber das Bild des reinsten Genusses nach Neigung und Verhältnissen bieten, der durch keine Sorge und durch keinen Vorwurf getrübt ist. So gleicht sein Leben dem klaren und ruhigen Spiegel eines Stroms, der ohne Mühe und Widerstreben die Ausgaben und Lasten des Lebens trägt und in dem sich jederzeit der reine Himmel eines ungetrübten Bewußtseins spiegelt. Und nun das pflichttreue Weib. Wer spricht von ihr? Aber wer kennt sie, ohne sie zu verehren? Ihr ganzes Leben ist Hingebung, ihr unerschöpfliches Glück die Befriedigung derer, denen sie ihr Leben hingibt. Sie kennt den Begriff des Opfers nicht, denn ihr ganzes Dasein ist ein ununterbrochenes Opfern ihrer selbst. Aber ihr Loos ist kein trauriges, es ist das schönste, das Menschen zu Theil werden kann. Sie will Nichts als dienen und eben dadurch übt sie jene stille und unverweigerte Herrschaft über die Gemüther aus, die dem Herrschenden und dem Beherrschten gleich wohlthuend ist. In ihrer äußern Erscheinung erkennen wir sie an jenem edlen und sichern Ebenmaaß, das all ihr Thun,