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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde · 1857-01-01 · 1857 · p. Seite 22

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Bürger- und Real-Schule der Israel. Gemeinde
Volume
1857
Date
1857-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 Produkt der gebietenden Willkühr, oder gar der zufälligen Laune erscheinen; lege ihm keine Entbehrungen, keine Beschränkungen auf, von denen er für sich und Andre keinen Vortheil zu erkennen oder doch zu begreifen vermag; fordre keine That von einem Knaben, zu deren Ausführung die Willenskraft und die Selbstüberwindung des Mannes erforderlich ist, und nöthige ihn vor Allem nicht, auch nicht durch moralischen Zwang, zu einem Bekenntniß, zu einem Wort der Reue oder der Abbitte, das er allenfalls stark genug ist mit seinen Lippen auszusprechen, dem er aber nicht mit seinem Herzen zustimmen kann. Das schöne Gefühl der Selbstüberwindung, das aus einem freien Entschluß oder aus einer gewonnenen Ueberzeugung entspringt, wird zum widerwärtigen Zerrbild, die Freude über den errungenen Sieg wird höchstens zum Triumph über die gelungene Täuschung, oder zur innern Beschämung über den erlittnen Zwang, der immer mit erbitterndem Trotz verbunden ist. Freude an der erfüllten Pflicht kann nur aus dem Gefühl eines innern Gewinns hervorgehen, den wir durch ihre Erfüllung erworben haben und dieser Gewinn kann nur aus der Erstarkung der eigenen Kraft erwachsen, mit der wir unsere Ausgabe gelöst haben, aus dem Siege, den wir selbst über unsere Neigung, über unsere Schwäche, über unseren Trotz errungen haben. Soll ferner die Pflichterfüllung uns durch die Freude lieb werden, die wir aus derselben schöpfen, so darf dieselbe nicht durch den Hinblick aus Nebenzwecke getrübt und verkümmert werden, die wir mit derselben verbinden. Lehre und gewöhne deinen Zögling daher den Lohn des Arbeitens nur in der gelungenen Arbeit, den Lohn all seines Thuns nur in dem Werth seiner That zu finden. — Eine der mächtigsten Triebfedern alles Strebens ist für Jung und Alt der Ehrgeiz. Ich bin weit davon entfernt ihn als sittliches Erziehungsmittel gänzlich zu verwerfen; nicht nur weil er zu den wirksamsten Triebfedern für tüchtige Leistungen gehört, sondern weil er einem durchaus menschlichen und sittlichen Boden entspringt, nämlich: dem Bedürfniß nach Anerkennung unseres Werths und unseres

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