Mannheim
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19261929
  1. 1927-01-01 · Heft 1 · page 95

    usw. müssen in jeder Gastwirtschaft plakatiert werden. Auch in dem Lesesaal des Bauernklubs an der Trubnaja Ploschtschad sind die Wände mit Anschauungsmaterial überdeckt. Dorfchronik, landwirtschaftliche Entwicklung, Produktionstechnik, kul…

  2. 1927-01-01 · Heft 1 · page 96

    kurzer Pause folgt das Urteil, das im Stehen vernommen wird: zwei Jahre Gefängnis unter Zubilligung mildernder Umstände. Von Einzelhaft wird daher abgesehen. Zum Schluß weist seinerseits der Präsident auf die Notwendigkeit, hygienische und …

  3. 1927-01-01 · Heft 1 · page 97

    Schlitten verschiedenster Konstruktion: von einem Brett, das vorn aui Schüttschuhkufen läuft und hinten im Schnee schurrt, bis zu den komfortabelsten Bobsleighs. Nirgends sieht Moskau aus wie die Stadt selber; am ehesten noch wie sein Weich…

  4. 1927-01-01 · Heft 1 · page 98

    Mauern und Haufen von niedrigen Kuppeln zum Komplexe von Klosterkirchen zusammenzufassen. Dann wird auch klar, warum an vielen Stellen Moskau so abgedichtet wirkt wie eine Festung; die Klöster tragen heute noch die Spuren der alten wehrhaft…

  5. 1927-01-01 · Heft 1 · page 99

    Grundstock eines herrlichen Bojaren-Hauses sein. Wenn man jedoch von Westen her den roten Platz betritt, erheben ihre Kuppeln sich allmählich am Himmel wie ein Rudel feuriger Sonnen. Immer behält dieser Bau sich etwas zurück, und überrumpel…

  6. 1927-01-01 · Heft 1 · page 100

    trocknetes Weißbrot, Schwarzbrot mit einer Salzkruste überbacken und getrocknete Erbsen in Salzwasser. In gewissen Kneipen kann man so tafeln und noch dazu an einer primitiven „Inszenirowka" seine Freude haben. Man nennt so einen epischen o…

  7. 1927-01-01 · Heft 1 · page 101

    …llen so vollständiger Deroute, daß aus erprobten Stützen der Partei in wenigen ochen Defraudanten wurden. Die Trauer um Lenin ist für die Bolschew isten zugleich die Trauer um den heroischen Kommunismus. Die wenigen Jahre, die er nun zurückliegt…

  8. 1927-01-01 · Heft 1 · page 102

    NIKOLAJ BERDJAJEW DAS ENDE DER RENAISSANCE (Zur gegenwärtigen Kulturkrisis) Die ..Geschichte der Neuzeit" geht ihrem Ende entgegen und es beginnt eine unbekannte historische Epoche, die noch keinen Namen hat. Wir verlassen alle gewohnten hi…

  9. 1927-01-01 · Heft 1 · page 103

    es, zu denken, daß man einfach durch äußere Mittel jenen zyklonartigen Zerstörungsprozeß auf halten könnte, dem unsere alte, sündige Welt ausgesetzt ist, und daß man, mit kleinen Veränderungen, zu jenem alten Leben zurückkehren könne, das m…

  10. 1927-01-01 · Heft 1 · page 104

    Ge6taltens. Das Ende der Renaissance ist das Ende jenes Humanismus, der ihre geistige Grundlage bildete. Der Humanismus aber war nicht nur eine Wiedergeburt der Antike, nicht nur eine neue Moral und eine Bewegung der Wissenschaften und Küns…

  11. 1927-01-01 · Heft 1 · page 105

    …ßungen des Humanismus sind nicht in Erfüllung gegangen. Der Mensch ist unendlich müde geworden und ist bereit, sich auf allerhand Kollektive zu verlassen, in denen die menschliche Individualität bereits gänzlich verschwindet. Der Mensch vermag seine…

  12. 1927-01-01 · Heft 1 · page 106

    Selbstverneinung des Menschen und seines Sturzes verborgen war. Als der Mensch sich von dem geistigen Zentrum des Lebens losriß, riß er sich von der Tiefe los und ging zur Fläche über. Die Entfernung vom geistigen Zentrum machte den Mensche…

  13. 1927-01-01 · Heft 1 · page 107

    nicht gänzlich heidnisch sein. Die Renaissancemenschen zehrten vorn Geist der Antike, sie suchten in ihm die Quelle des freien menschlichen Gestaltens und die Bilder vollkommener Formen, aber sie waren nicht Menschen von antikem Geist. Das …

  14. 1927-01-01 · Heft 1 · page 108

    sancemenschen kann man an dem künstlerischen Schaffen und an dem Schicksal der zentralen Figur des Quattrocento, an Botticelli, studieren. Die Renaissance begann bereits im tiefen Mittelalter, und ihre ersten Grundlagen waren vollständig ch…

  15. 1927-01-01 · Heft 1 · page 109

    trocento selbst war ein großer. Die formalen Errungenschaften des künstlerischen Schaffens des Quinquecento, der römischen Hochrenaissance, machen den Eindruck größerer Vollkommenheit und größeren Gelingens. Aber diese formale Vollkommenhei…

  16. 1927-01-01 · Heft 1 · page 110

    wovon die ersten Humanisten und schöpferischen Menschen der Renaissance träumten. Ob sie wohl daran gedacht haben, daß die Folge ihres neuen Lebensgefühls, ihrer Loslösung von der geistigen Tiefe und dem geistigen Zentrum des Mittelalters, …

  17. 1927-01-01 · Heft 1 · page 111

    ein beschränktes und abhängiges Wesen erblickte, das keine geistige Freiheit kennt. Der Humanismus, der den Menschen emporhob, nahm ihm seine Gottähnlichkeit und verknechtete ihn der natürlichen Notwendigkeit. Die auf dem Humanismus beruhen…

  18. 1927-01-01 · Heft 1 · page 112

    Der Humanismus trat zum ersten Mal, am schöpferischsten und am üppigsten in der Renaissance in Erscheinung. Und alles Schöpferische in der humanistischen Geschichtsepoche geht vom Geist der Renaissance aus, kann renaissancehaft genannt werd…

  19. 1927-01-01 · Heft 1 · page 113

    alles dem Christentum. Irgendeine neue geistige Schulung, die den Geist gestählt und diszipliniert hätte, vermochte und verstand der europäische Mensch nicht zu erwerben. Er hat seine Kräfte verbraucht, hat sich selbst vergeudet und erschöp…

  20. 1927-01-01 · Heft 1 · page 114

    ihr entfaltet sich die selbstvernichtende Dialektik des Humanismus - die Bejahung des Menschen ohne Gott und gegen Gott, die Verneinung des Ebenbildes Gottes im Menschen führt zur Verneinung und Vernichtung des Menschen, die Bejahung des He…