Mannheim
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  1. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 42

    Schon braust es sanfter aus den Schleußentoren In zäher, doch geordneter Bewegung, In voller, doch melodischer Erregung Seh ich den Fluß sich in die Gassen bohren. Bald wird er schmal gezüngelt in Kanälen Vorüber hüsteln an geschminkten Lam…

  2. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 43

    DER BESCHÜTZER. (1908.) Trug ich nicht herrlich den weißen Bart Und wehendes Haar um die Schläfe geschart? Wie schlug der Mantel um Schulter-Gewalt, Wie faßte er mächtig die Skaldengestalt?! Und als ich Dich weit in den Mantel schloß, An me…

  3. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 44

    EIN UNBEKANNTES PRAGER URTEIL UBER BEETHOVEN. Ernst Rychnovsky. Im Jahre 1796 erschien in Prag im Schönfeldschen Verlag das „Jahrbuch der Tonkunst von Wien und Prag", das neben Betrachtungen über die Natur der Musik, über die Verhältnisse, …

  4. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 45

    Jahrbuch bedeutsam, sondern weil es aus jener Zeit datiert, da Haydn auf dem Gipfel seines Ruhmes stand und Beethoven seinen kühnen Adlerflug begann. Das originelle Urteil über Haydn mag hier unbeachtet bleiben. Uber Beethoven—Bethofen, ja …

  5. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 46

    Journal erscheinen monatlich zwei Hefte, und sechse deren machen einen Band aus. Der Preiß des halben Jahrgangs ist 2 fl. 30 kr. welche bei Empfang des ersten Hefts erlegt werden. Beiträge die zweckmäßig sind, werden angenommen und nach Ver…

  6. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 47

    Verteidigungsanstalten der Grafschaft Tyrol in dem kritischen Zeitpunkte des Jahres 1796". An der Spitze des Heftes aber stehn „einige Berichtigungen des Jahrbuchs der Tonkunst von Wien und Prag, im von Schönfeldischen Verlage". In diesen „…

  7. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 48

    derbelebung des künstlerischen Guitarrespiels gerichteten Bewegung ist es gewiß nicht uninteressant, von der Existenz eines Medicinae Candidatus Held zu erfahren, von dem es heißt, daß er ein virtuoser Guitarrespieler und bekanntermaßen der…

  8. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 49

    …, noch weniger bewundern. Er griff nur unsere Ohren, nicht unser Herz an, darum wird er uns nie Mozart seyn!" GESINDEL. Oskar Baum. Draußen am Rande, wo Prag schon wie ein Dorf aussieht, besaß der blinde Sänger und Harmonikaspieler Tonda Mlvec mit vi…

  9. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 50

    um deren Ertrag es sich zu plagen verlohnte. Das paßte ihr noch am ehesten: So den ganzen Tag umherziehen, überall ein bischen zu sitzen und nur zu warten, was die Leute dem Mlvec in den Hut warfen. Wenn auch wenig zusammenkam, hatte man do…

  10. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 51

    so weit, daß sie gern davon sprachen, Hochzeit zu machen, bis sie die nötigsten paar Kronen beisammen hatten. Frau Kudrnatsch hatte Mlvec im Verdacht, daß er sie längst beisammen hatte; denn wenn man schon jahrelang diesem einträglichen Erw…

  11. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 52

    „Nein," antwortete er. Ob er noch nie daran gedacht habe, in einem Versorgungsheim unterzukommen? Tonda war so überrascht, statt des erwarteten barschen Vorwurfs, gegen den er schon die gewohnten Jammertöne und Lügen bereit hatte, so gütige…

  12. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 53

    ,Nein, was für Menschen, was für Wunder von Menschen es gibt! Was für Güte und Verständnis!' dachte Mlvec und zitterte, vom Glück dieses Erlebnisses tieferschüttert. Und er stammelte etwas, das anders sein sollte als sein geläufiger Bettler…

  13. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 54

    sie sprach immer schneller und hörte es gar nicht, wenn er etwas dazwischenwarf. Sie war wütend darüber, daß er so gar nicht daran dachte, daß auch sie da war. Wie stellte er sich derfn das vor? Er würde sie wohl jetzt einfach wegschicken, …

  14. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 55

    schwunden war, Tonda stumm und hilflos den Kopf senkte, und auch die Leute sich zu zerstreuen begannen, rief er nur noch gleichsam mechanisch: „Vorwärts, vorwärts, hört Ihr nicht?" Und er ging wieder. Tonda stand wie betäubt. Noch glühte un…

  15. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 56

    wesen war. Auch verwirrte ihn der Straßenlärm und es wurde ihm nicht leicht, mit ununterbrochener, gesammelter Aufmerksamkeit auf alles um sich her zu achten, auf jedes Geräusch, auf die leichte Senkung des Pflasters unter seinen Füssen, di…

  16. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 57

    KINDERMUSIK IM ALTEN PRAG. Robert Haas. Das Jahrhundert Glucks und Mozarts hatte für das Kindertheater seine starke Vorliebe. So komponierte Mozart bekanntlich zehnjährig für das Schulspiel der Salzburger Benediktiner, während er darin im A…

  17. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 58

    An diesen hochberühmten „Cantorius" wendet sich der Studentius: „Bonus sis mi Dominus, numquid estis Cantrius, bonus Musicantius et Latinizanzius." Der Kantor führt nun seine Kunst vor, wie David in den Meistersingern die Tabulatur: ,,Colat…

  18. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 59

    zitativ aneinanderreihen). DerMeisterius singt die voces musicales vor: ,,Ut re mi fa sol", wobei er bei Fehlern in den deutschen Fluch ausbricht: „daß dich der Teufel hol", den die beiden Mitsänger, wie alles, was der Lehrer singt, sklavis…

  19. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 60

    und anderen Instrumenten spielen. In einem kleinen Schulzimmer standen z. B. vier Klaviere beisammen, auf denen vier Bürschlein übten, was etwa dem nüchterneren Bild entspricht, das später ein Augenzeuge (in Schönfelds Jahrbuch der Tonkunst…

  20. 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 61

    Uber das Leben der Prager Kapellknaben zu Anfang des Jahrhunderts erzählt Franz Benda in seiner Selbstbiographie manche Einzelheit. Benda besuchte zunächst in seinem Heimatsort Alt-Benatek die Stadtschule, lernte dort Lesen, Schreiben und S…