Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 53)
- Language
- German
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,Nein, was für Menschen, was für Wunder von Menschen es gibt! Was für Güte und Verständnis!' dachte Mlvec und zitterte, vom Glück dieses Erlebnisses tieferschüttert. Und er stammelte etwas, das anders sein sollte als sein geläufiger Bettlerdank, aber ganz dumm und unverständlich war, weil es, wie er merkte, ja keine anderen Worte für den Dank gab. Die Kudrnatsch aber war schweigsam, als sie die Treppe hinabstiegen und auf die Straße kamen. Kein Wort erwiderte sie auf Tondas begeisterte Lobreden auf die Dame und auf die Freudenausbrüche über sein Glück. „Nun ist es also nichts mit unserer Hochzeit!", stieß sie schließlich zwischen den Zähnen in höhnischer Gelassenheit hervor. Er blieb betroffen stehen. „Ja, das ist richtig," sagte er langsam und bedachte, was da zu tun wäre. Mitnehmen konnte er sie dorthin nicht; auch blieb nicht einmal der Trost, daß sie vielleicht in ein derartiges Haus für weibliche Arme aufgenommen würde. Sie war noch gar nicht alt, und gesund und stark wie ein Mann. Gereizt durch sein Schweigen schäumte ihre Erbitterung über. „Du Esel!" schrie sie ihn plötzlich an, „für das bischen Futter willst du dich einsperren lassen? Weißt du denn, was ein Versorgungshaus ist? Da mußt du früh, mittags und abends beten! Wann du schlafen gehen darfst und wann du aufstehen mußt, das ist genau vorgeschrieben. Wenn du an die Luft gehen willst, mußt du denVerwalter fragen und bitten. Ja, da geht's streng zu! Was dir zu Mittag nicht schmeckt, das kriegst du am Abend noch einmal! Und das Maul mußt du schön inachtnehmen!" Sie begann immer lauter zu schimpfen und zu streiten; 53