Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 51)
- Language
- German
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so weit, daß sie gern davon sprachen, Hochzeit zu machen, bis sie die nötigsten paar Kronen beisammen hatten. Frau Kudrnatsch hatte Mlvec im Verdacht, daß er sie längst beisammen hatte; denn wenn man schon jahrelang diesem einträglichen Erwerb nachging, und nicht gerade ein Trinker war, mußte man doch etwas haben! Aber er wollte wahrscheinlich aus ihr herauspressen, was sie hatte! Nun, so dumm war sie nicht! Die paar Groschen, die sie noch nicht aufgegessen hatte, wollte sie für alle Fälle behalten; davon brauchte er so oder so nichts zu wissen. Sie rührten von dem jungen Menschen her, den sie damals vierzehn Tage lang vor der Polizei versteckt hielt. Es war ein sehr anständiger und guter Mensch gewesen; nicht nur weil er gezahlt hatte, was sie verlangte; er hatte ihr auch eine Menge Sachen da gelassen: Wäsche, Kleider, nagelneue Schuhe und einen Spazierstock mit Silbergriff, mit dem sie Mlvec ein Geschenk zu machen dachte, bis sie aufgeboten waren. Einmal ließ eine Dame, die die beiden vom Fenster aus beobachtet hatte, sie durch ein sehr hochnäsiges Dienstmädchen hinaufrufen. Sie erschraken und hätten dem Befehl am liebsten nicht gehorcht, wenn sie es gewagt hätten. Sie fürchteten, es könnte einer jener energischen Hausbesitzer sein, die ihnen mit der Polizei drohten. Die Dame aber war sehr freundlich gegen sie. Sie erfuhren nachher vom Hausbesorger, daß sie vor Kurzem einen blinden Sohn verloren hatte. Die Dame war schwerhörig. Sie hatte eine Gesellschafterin bei sich, die ihr alles ins Ohr schreien mußte, was man zu ihr sprach. Ob er in der Blindenanstalt erzogen sei, fragte sie. 5i