Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 61)
- Language
- German
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Uber das Leben der Prager Kapellknaben zu Anfang des Jahrhunderts erzählt Franz Benda in seiner Selbstbiographie manche Einzelheit. Benda besuchte zunächst in seinem Heimatsort Alt-Benatek die Stadtschule, lernte dort Lesen, Schreiben und Singen, mußte aber nebenbei schon im 8. Lebensjahr im Gasthaus zum Tanz aufspielen und das Bierfiedler-Handwerk ergreifen. Mit neun Jahren kam er 1718 nach Prag zum Vater des oben erwähnten Franz Xaver, dem Regenschori und Organisten bei St. Martin Simon Brixi, der sein naher Anverwandter mütterlicherseits war. Durch diesen wurde er im Benediktinerkloster an der St. Nikolai-Kirche auf der Altstadt als Diskantist untergebracht, schnappte aber auf diese Weise dem Sohn des Kantors von Alt-Benatek den Platz weg und erregte einen Konflikt der Väter, der beweist, wie sehr man sich um die Kinderversorgung als Sängerknaben riß. Das Kloster gab freie Kost und Wohnung, auch die Kleidung wurde innerhalb eines Jahres versprochen, doch gelangte der kleine Franz durch die Neigung eines geistlichen Herrn schon alsbald zu so stattlicher Garderobe, daß ihn seine Mutter stolz zu Hause vorführte. Nichtsdestoweniger entlief Benda alsbald aus dem Kloster und ließ sich als Sängerknabe nach Dresden zu den Jesuiten anwerben. Dort erkrankte er später, unternahm auch da einen Versuch, auszureißen, wobei er die Stimme verlor, und wurde daraufhin entlassen, indem ,,sich die Liebkosungen in eine Art von Verachtung verwandelten". Diese Erlebnisse bestätigen das Urteil Mathessons über die Kapellknaben, die er wenig nutz" nennt. „Ehe sie eine leidliche Fähigkeit bekommen haben, ist die Diskantstimme fort. Und wenn sie ein wenig mehr wissen oder einen fertigeren Hals haben, als andere, pflegen 61