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Alt-Prager Almanach · 1926-01-01 · 1926 · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Alt-Prager Almanach
Volume
1926
Date
1926-01-01
Page
Seite 55 (sequence 55)
Language
German
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schwunden war, Tonda stumm und hilflos den Kopf senkte, und auch die Leute sich zu zerstreuen begannen, rief er nur noch gleichsam mechanisch: „Vorwärts, vorwärts, hört Ihr nicht?" Und er ging wieder. Tonda stand wie betäubt. Noch glühte und zitterte sein ganzer Körper vor Zorn; sein Atem ging schnell und regelmäßig. Und doch erschien ihm alles plötzlich unwahr und unmöglich, was da um ihn geschah. Ihm war, als müsse er sich irgendwie im Irrtum befinden. Es konnte doch nicht sein, daß sich die ganze Welt rings zweimal so schnell hintereinander völlig ins Gegenteil verkehre? Was war denn nur geschehen? Er dachte krampfhaft nach. Und wie er so allein in der Straße stand und es immer einsamer und stiller um ihn zu werden begann, in dem gleichgültigen Lärm und Getriebe dieser Geschäftsstraße, da verflog sein Zorn; ja er begriff kaum mehr, warum er in Zorn geraten war. Hatte die Kudrnatsch nicht recht? Ach, gewiß hatte sie recht! Und was sie vom Versorgungshause gesagt hatte, war sicherlich wahr! Sie wußte ja alles! Sie war bewandert im praktischen Leben und hatte bei allem gleich heraus, worum es sich handelte. In der ganzen Gasse kamen die Weiber zu ihr, wenn sie sich keinen Rat wußten und ihr fiel immer etwas ein. Und so gut war sie zu ihm gewesen! Wahrhaftig, das hatte sie nicht verdient! DenZettel,auf dem die Dame die Adresse jenes Herrn geschrieben hatte, hielt er immer noch ängstlich zwischen den Fingern fest. Von widerspruchsvollen, nicht ganz verstandenen Empfindungen erfüllt, irrte er stundenlang in den Straßen umher. Er fand sich noch ganz gut allein in der Stadt zurecht, wie es sich zeigte. Er entbehrte freilich den Stock, an den er beim Alleingehen so gewöhnt ge- 55

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