Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 52)
- Language
- German
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„Nein," antwortete er. Ob er noch nie daran gedacht habe, in einem Versorgungsheim unterzukommen? Tonda war so überrascht, statt des erwarteten barschen Vorwurfs, gegen den er schon die gewohnten Jammertöne und Lügen bereit hatte, so gütige Worte zu hören, daß er auf alle Fragen eifrigst „Ja" und „Nein" antwortete, je nachdem, was die Dame zu erwarten schien. Der Musikant und das Weib standen in der feinen duftenden Luft dieses warmen Zimmers regungslos auf dem Rand des dicken Teppichs nahe der Tür. An ihren Schuhen schmolz der Schnee und ein großer dunkler Fleck Nässe wird an der Stelle zurückbleiben, bis sie gegangen sind. Die Dame sandte die Gesellschafterin mehrmals ins Nebenzimmer und ließ sie dort verschiedene lange Telephongespräche führen, war aber immer wieder ungehalten, wenn die Gesellschafterin mit den Ergebnissen zurückkam. Endlich schien sie zufrieden, schrieb Mlvec die Adresse eines Herrn auf, zu dem er sogleich gehen sollte; der Herr habe ihr zugesagt, ihn im Blindenmännerheim von St. Paul unterzubringen. „Dort hat man immer etwas Warmes zu Mittag und auch manchmal am Abend," sagte die Dame, „und früh immer seine Suppe. Da braucht man sich gar nicht darum zu kümmern. Und nur so zur Beschäftigung für ein paar Stunden des Tags lernt man ein leichtes Handwerk, bei dem man singen oder sich unterhalten kann. Wer aber schwach oder ungeschickt ist, der braucht auch gar nichts zu tun, wenn es ihm lieber ist; und er hat seine Ruhe, sein gutes Bett und alle Tage ein paar Heller für Bier und Tabak." 52