Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 50)
- Language
- German
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um deren Ertrag es sich zu plagen verlohnte. Das paßte ihr noch am ehesten: So den ganzen Tag umherziehen, überall ein bischen zu sitzen und nur zu warten, was die Leute dem Mlvec in den Hut warfen. Wenn auch wenig zusammenkam, hatte man doch immer noch mehr davon, als wenn man von früh bis abends sich abrackerte, Wäsche wusch oder den Boden bohnte. Und überdies konnte man dazwischen, so oft man wollte, irgendwo einkehren, und wenn man den Mlvec mit der Ziehharmonika sah, gab es alles billiger. Eine Butik kannte sie hinter der Karlsbrücke, dort bekam sie immer ,,ein Glasel umsonst" und der Mlvec auch. Einmal, als es ihnen besonders gut ging, konnten sie sich mitten in der Woche zu Mittag einen Schweinebraten kaufen mit Kraut und Knödeln und Bier dazu. So zogen sie alle die langen Tage Sommer und Winter umher. Seine geübte Stimme hatte Ausdauer und drang, wenn es galt, bis in die höchsten Stockwerke zum Verdruß aller griesgrämigen Kontorbeamten, aller Musiklehrer und Nachmittagsschläfer, deren Fenster auf den Hof gingen, und zumVergnügen aller Kinder und Dienstmädchen. Am Abend brachte er seine Talente im Rauch und Lärm der Bierstuben zur Geltung. Bis in die tiefe Nacht, wo es immer lautere und freigebigere Gäste gab, saß er da und tat seine Pflicht. Und niemand verstand sich auf seine Kunst besser als er; nie verließ ihn sein Gedächtnis und immer konnte er mit den neuesten Schlagern aufwarten. Und wer ihn nicht anschaute, den störte sein blatternarbiges Gesicht nicht und nicht seine ewig geschlossenen Augen, deren Lider manchmal durch feine Körnchen verklebt waren. Tonda Mlvec und Frau Kudrnatsch waren nun bald 5°