Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 60)
- Language
- German
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und anderen Instrumenten spielen. In einem kleinen Schulzimmer standen z. B. vier Klaviere beisammen, auf denen vier Bürschlein übten, was etwa dem nüchterneren Bild entspricht, das später ein Augenzeuge (in Schönfelds Jahrbuch der Tonkunst 1796) von diesen Landschulen entworfen hat: acht bis zehn fünf- oder sechsjährige Knaben in einem und demselben Zimmer zusammengepfercht, wo die ungleich befähigten Kinder ihre Übungen zugleich vorzunehmen hatten und „zum Beispiel Anton in einer Ecke das Waldhorn, Andreas in der zweiten die Oboe, Michel in der dritten die Violine und Mathes in der vierten seinen Diskant vier bis fünf Stunden lang aushalten" mußte! Der Lehrmeister hatte dabei Gelegenheit, mit einem Ohre alles zu hören, was zur Leitung seiner Zöglinge nötig war. Der Gewährsmann glossiert diese Unterrichtsweise stark polemisch: „War es da leicht, Tempo zu halten, wenn auf einer Stube sieben oder wohl auch acht Instrumente auf einmal jedes sein eigenes Konzert hören ließen? Wenn in eben dieser Lehrstube oft ein Dutzend Knaben ihre Leseübungen halten mußten? Die Schwierigkeit, in einem solchen Tongeräusch Aufmerksamkeit und Ordnung zu halten, sollte die wahre Probe sein, ob dieses oder jenes Kind Hang und Genie zur Tonkunst habe." Wenn sich nun trotz dieses Radikalbetriebs bei einem Schüler besondere Fähigkeiten entwikkelten, so wurde der kleine Virtuose der Öffentlichkeit überantwortet und mußte in der Kirchenmusik des Lehrmeisters auftreten, wobei die böhmische Sitte gestreift wird, die es zur Schulmeisterspflicht machte, daß der Vorsteher einer Schule alle Jahre wenigstens eine neue Messe selbst verfaßte; wenn er dies versäumte, wurde er als Pfuscher angesehen. 60