Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 56)
- Language
- German
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wesen war. Auch verwirrte ihn der Straßenlärm und es wurde ihm nicht leicht, mit ununterbrochener, gesammelter Aufmerksamkeit auf alles um sich her zu achten, auf jedes Geräusch, auf die leichte Senkung des Pflasters unter seinen Füssen, die ihm den Gehsteigrand voraussagte, auf die Schritte und Stimmen der Vorübergehenden, auf das leise schattenartige Gefühl, durch das Häuser oder andere große stumme Gegenstände ihm ihre Nähe verrieten. Von einem Herrn, der ihm über den Fahrdamm einer belebten Straßenkreuzung führte, ließ er sich die Adresse auf dem Zettel nochmals vorlesen. Der Weg zu dieser Wohnung war nicht sehr weit; er ließ sich ihn genau beschreiben. Es dauerte immerhin einige Zeit, ehe er vor dem Hause stand. Er konnte sich nicht gleich entschließen, hineinzugehen. Es begann zu schneien. Er merkte es gar nicht. Er stand da und dachte nach. Es ging ihm aber bald im Kopfe alles dumpf durcheinander. Er war nicht gewohnt, nachzudenken. Es fiel ihm gar nicht auf, daß es schon Abend wurde und er seit dem Morgen noch nichts gegessen hatte, da sie eben zum Mittagessen hatten gehen wollen, als sie jene Dame hatte rufen lassen. „Ja, ja, es schneit wirklich," sagte er nachdenklich, indem er langsam das Tor verließ, vor dem er so lange gestanden hatte und dem Haus den Rücken wandte. „Heute morgens hatte sie gesagt: ,Es wird heute ganz gewiß schneien' und richtig: es schneite!" Er schritt die Straße hinunter und bog dann links ein. Er ging nachhause zu ihr. Ja, er gestand es sich aufrichtig und nickte wie im Selbstgespräch, indem er melancholisch lächelte. 56