Alt-Prager Almanach
- Journal
- Alt-Prager Almanach
- Volume
- 1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 73% known words query
- IRI
…/9230935-9249770--067-9234406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
An diesen hochberühmten „Cantorius" wendet sich der Studentius: „Bonus sis mi Dominus, numquid estis Cantrius, bonus Musicantius et Latinizanzius." Der Kantor führt nun seine Kunst vor, wie David in den Meistersingern die Tabulatur: ,,Colaturos (= Coloraturos) optimos, Trillos praestantissimos, cruces et suspirios Semper canit meum os." Eine fulminante Stakkatoübung auf den Text,, Ky, ky, ky, ky, ky, ky, ky, ky, ky . . . . rie" löst bei Student und Subkantor wütenden Beifall aus: ,,Bravo, bravo, bonus Meisterius!", worauf der Schulmeister seine breite Musiklehre weiter vorführt, das B molle und B durum ,,forte et pianiter" Ligatur, Höhe und Tiefe, „supra et profunditer", Pausen, Terzen, Duodezimsprünge, Haltetöne und andere gesangliche und musikalische Elementarkenntnisse in langem Gesang zu Gehör bringend. Der Subkantor fällt mit Lobhymnen dazwischen: „nemo sie seit solmizare, nemo sie seit clavizare", als Komponist übertreffe er gar den ,,Fuxius"! Der Student bittet um Unterweisung und verspricht gutes Honorar: „si me vollis discere, ero vobis ferrere caseolos, capellulae pro vestro comedere". Der Unterricht ist Gegenstand eines breit ausgesponnenen kontrapunktischen Terzetts (sonst herrschen kurze, leichte Formgebilde vor, Lieder, die sich meist ohne Re- 58