Mannheim
Compact Memory
1,405 pages · page 3Sort: oldest first · newest first
Pages per year (click a year to narrow down)
486
19261929
  1. 1926-01-01 · Heft 1 · page 41

    Antwortende zu werden. Zumeist überhören wir ja die Anrede oder schwatzen in sie hinein. Wenn aber das Wort zu uns kommt und das Antwort (so hieß es ja einst) aus uns kehrt, gibt es, wie auch noch gebrochen, das menschliche Leben auf der We…

  2. 1926-01-01 · Heft 1 · page 42

    die Magie der historischen Geistmächte entgegen, er warf die Werte in das Kind oder zog es in sie. Der hat diesen Vorgang der Begegnung zwischen dem Kosmos der Geschichte und ihrem ewigneuen Chaos, zwischen Zeus und Dionysos, nie im Geist g…

  3. 1926-01-01 · Heft 1 · page 43

    Eros ist Wahl, Wahl aus Neigung. Erziehertum ist eben dies nicht. Der in Eros Liebende kürt den Geliebten, der Erzieher, der heutige Erzieher findet den Zögling vor. Ich sehe von dieser unerotischen Situation aus die Größe des modernen Erzi…

  4. 1926-01-01 · Heft 1 · page 44

    widerstrebt, wohl aber der Vermischung mit den Eigensphären der Person. Wird diese Struktur und ihr Widerstreben nicht geschont, dann nimmt ein seinem Anspruch nach aristokratischer, in Wirklichkeit haltloser und fiebriger Dilettantismus üb…

  5. 1926-01-01 · Heft 1 · page 45

    Augenblick lang erfährt er die gemeinsame Situation von der Gegenseite aus. Die Wirklichkeit tut sich ihm an. Was wird er tun? Er übertobt die Seele oder sein Trieb kehrt um. Ein Mann liebkost eine Frau, die sich hebkosen läßt. Nun geschehe…

  6. 1926-01-01 · Heft 1 · page 46

    samen Vorgang, ohne irgend etwas von der gefühlten Realität ihres eigenen Tätigseins einzubüßen, zugleich von der andern aus erlebt. Ein Verhältnis zweier Personen, das in geringerem oder höherem Maß von dem Element der Umfassung bestimmt i…

  7. 1926-01-01 · Heft 1 · page 47

    Weil es diesen Menschen gibt. Und so muß denn aber dieser Mensch auch wirklich da sein, vor dem Kind wirklich, nicht bloß in dessen Seele da sein. Er darf sich nicht durch ein Phantom vertreten lassen: der Tod des Phantoms wTäre die Katastr…

  8. 1926-01-01 · Heft 1 · page 48

    weltoffen, geistoffen mit unseren Kräften empfangen und unserem Sosein einverleiben; so entstellt und bestellt lebendige Wahrheit. Wir sind inne geworden, daß es so mit dem andern ist wie es mit uns ist; und daß uns beide keine Erkenntniswa…

  9. 1926-01-01 · Heft 1 · page 49

    einer begrifflichen, konstruierten, sondern je und je der ganz konkreten dieses einzelnen und einzigen Wesens, das ihm gegenüber lebt, das zusammen mit ihm in der gemeinsamen Situation, des ,,Erziehens"* und „Erzogenwerdens", die ja eine is…

  10. 1926-01-01 · Heft 1 · page 50

    was der Mensch braucht, damit er werde; aber auch in die, was er, der ..Erzieher46, von dem Gebrauchten zu geben vermag, was nicht, - was schon, was noch nicht. So weist ihn die Verantwortung für diesen ihm zugeteilten und anvertrauten Lebe…

  11. 1926-01-01 · Heft 1 · page 51

    und sie zu restaurieren beflißnen: nur auf die, wie auchgeltungsarmen, Personen, die, jede in der tätigen Stille ihres Werkbezirks, für die Fortdauer der lebenden Substanz antworten, sie verantworten. So auch im Bereich der Erziehung. Die i…

  12. 1926-01-01 · Heft 1 · page 52

    EUGEN ROSENSTOCK LEHRER ODER FÜHRER? Zur Polychrome des Menschen 1. Die Berufe alle rufen heute nach Führern in ihren Reihen, nach starken Persönlichkeiten. Das Volk als Ganzes steht in einer schweren Führerkrisis. Und ein Niederbruch der F…

  13. 1926-01-01 · Heft 1 · page 53

    schaft der Führung über alle und jede andere Geistestätigkeit erschrak ich. Wenn junge Pfarrer und junge Lehrer und junge Gelehrte sich für Führer halten oder von allen Seiten zum Führerbewußtsein angestachelt werden, dann ist die Lage dess…

  14. 1926-01-01 · Heft 1 · page 54

    ihm Gestalt gäbe. In der Führung hat dieser Kosmos sein Spannungselement. Allein diese Vereinheitlichung unter dem Leitwort Führung ist an sich ein ebensolcher Exzeß und Absturz aus der vollen Wirklichkeit, wie sie die ungemessene Zersplitt…

  15. 1926-01-01 · Heft 1 · page 55

    Die Natur des Lehrers ist mehraltrig, die des Führers einährig; der Lehrer gehört immer mehreren Generationen an, aber keiner ganz. Der Führer gehört seiner Generation ganz an, aber keiner anderen. Im Führer sieht sich ein Jahrgang, eine Ge…

  16. 1926-01-01 · Heft 1 · page 56

    Blicken wir auf die Sippen und Stämme der Jungenschaften, so sehen wir hier das Urverhältnis einaltriger Gemeinschaften. Die Seelen dieser Knaben sind noch stumm oder fast stumm - abgesehen von der rein technischen Sprache. Ihre Gemeinschaf…

  17. 1926-01-01 · Heft 1 · page 57

    schlechts. Jedesmal aber geht es um die Ansprüche, Rufe und Ideen einer Generation. Diese Generation dauert nicht etwa gerade dreißig Jahre, sondern in der Jugendbewegung mag ein Jahrfünft schon eine Wendung und einen Einschnitt bedeuten. U…

  18. 1926-01-01 · Heft 1 · page 58

    aus der Geschichte heraus, in sich eine seihständige Abfolge von Keim, Blüte, Frucht des Geistes. Der Geist des Führers ist das Geheimnis einer einmaligen Generation, einer einmaligen, in sich vollendeten Zeugung, Geburt, Schöpfung. Der Gei…

  19. 1926-01-01 · Heft 1 · page 59

    mit dem Leben und Streben der Geschlechter der Menschen nichts zu tun zu haben schien. Heut aber kann der Lehrer am Gegenbild des Führers sich ausbilden. Der einaltrigen Führernatur stellt sich die des Lehrers entgegen. Der Lehrer verkörper…

  20. 1926-01-01 · Heft 1 · page 60

    Es kann vieles Lehre heißen und ist doch nicht so bescheiden-mehraltrig wie diese. Denn nur der Lehrer, der dem Führerspielen entschlossen entsagt, kann über sich hinaus- oder an sich vorbeiweisen. Man muß dem Lehrstand beides anmerken, das…