Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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aus der Geschichte heraus, in sich eine seihständige Abfolge von Keim, Blüte, Frucht des Geistes. Der Geist des Führers ist das Geheimnis einer einmaligen Generation, einer einmaligen, in sich vollendeten Zeugung, Geburt, Schöpfung. Der Geist der Lehre ist ebenfalls von dem, was die Geistesgeschichte Geist nennt, weltenweit geschieden. Er ist nicht Kontinuität im Sinne der Mathematik, nicht bewußte Allgemeinheit im Sinne der Philosophie. Der Geist der Lehre ist ebensosehr jenseits der Geschichte im Sinne des neuzeitlichen Weltbildes, wie der Mythus diesseits der Aufklärung steht. Denn er abstrahiert so wenig wie der einaltrige Geist. Die Lehre verkörpert nur etwas anderes als die Führung. Der namengebende Held verkörpert die Zeit. Der institutionelle, der prophetische, der lehrende Mensch - sie verkörpern die Wende der Zeiten. Jedes Leben drängt von sich aus in jedem Augenblick nach selbständiger Entfaltung und vollständiger Erfüllung. Die Lehre drängt nun die Selbständigkeit und Vollständigkeit um so viel oder so wenig zurück, daß die Wiederkehr des Lebens trotz dieser Verselbständigung und Vervollständigung erhalten bleibt. Die Verfugung aller Sprossen und Knospen, daß sie doch am Baum des Menschengeschlechts sprossen und knospen, die Eindämmung und Eingleisung noch des Selbständigsten in eine ewige Bahn - verlangt Verkörperung. Diese Verkörperung des Mehraltrigen, der Verwandlung einer jeden Zeit also, die Überwindung jedes Geschlechts, die Einschränkung jedes Zeitgeistes, auch und gerade des zeugungskräftigsten, des genialsten, geschieht in Trägern, die wir auch wieder nicht mit abgenutzten, historischen Museensnamen benennen wollen. So wenig wie „mythisch" (in „mythischer Zeit44) wäre „religiös" (in „religiöser Zeit44) eine brauchbare Vokabel. Die Bezeichnung der mehraltrigen Zeit ist es, die wir vorziehen, weil damit sowohl der einährigen Führerzeit widersprochen wird wie der allgemeinen und astronomischen Weltzeit. Der Geist der Lehre ist Geist zwischen den Zeiten; aber er dient der Vollbringung jeder Zeit. Dem Wiederauftreten des Mythos in der Kraft der Jugendführer verdankt es der Geist der Lehre, daß er heut sein richtiges Gegenüber vorfindet, daß er als mehraltrig dem einährigen Geist gegenübersteht. In den abgelaufenen Jahrhunderten des philosophischen Idealismus hatte diese Lehre einer abstrakten „Geistigkeit" Platz machen müssen, die 58