Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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mit dem Leben und Streben der Geschlechter der Menschen nichts zu tun zu haben schien. Heut aber kann der Lehrer am Gegenbild des Führers sich ausbilden. Der einaltrigen Führernatur stellt sich die des Lehrers entgegen. Der Lehrer verkörpert nicht den Geist eines Augenblickes der Geschichte. Und deshalb deckt er nicht für seine Mannschaft den Horizont des Geisteshimmels schlechterdings zu - wie der Führer das muß. Der Lehrer deutet an sich selbst vorbei, weist über die eigene Person nach rückwärts und vorwärts weiter. Er füllt deshalb den Jahresring der Zeitlichkeit nie ganz aus: Ein Lehrer z. B., der die Mode des Tages angeben wollte, wäre komisch. Ein Lehrer, der die Tagespolitik zu einst nimmt, wirkt befremdend. Ein Lehrer, der aus der Tagespolitik seine Lehre zurechtzimmert, wirkt unerfreulich. So bleibt der Lehrende immer ein wenig mindestens hinter dem Rhythmus der rein zeitgemäßen Haltung zurück. Wenn der Schulmeister ein bißchen altmodischer gekleidet geht, hat D c? 7 das einen guten Sinn. Wenn der Gelehrte kein extremer Politiker ist, nimmt das für seine Haltung als Forscher ein. Der Lehrer spricht nie ganz die Sprache des Tages, die Führersprache einer Generation. Mehraltrig ist er seinem Wesen nach. Mehraltrig ist deshalb seine Sprache. Nie kann er deshalb die hemmungslose Begeisterung entfesseln wie der Führer. Denn immer bleibt er bestenfalls der Übersetzer des Geistes in die Sprache seiner Zeitgenossen. Nie darf er deshalb ganz die Spur auslöschen, daß er nicht nur im eigenen Manien spricht. Ein wenig mindestens muß durchschimmern, daß er Zeuge mehrerer Alter des Geistes ist. Wenn Mussolini den beredten Mund auftut, so ist die Hauptsache der Wirkung, daß er redet wie kein anderer. \\ t un der Lehrer lehrt, so darf vieles an ihm die bestechende Wirkung des L rsprünglichen besitzen - und muß es sogar, wenn er gut lehren soll. .Nur dem Wichtigsten, Geheimsten, dem Sinn seines Lehrens, muß die l nverrückbarkeit einer Bibelübersetzung anhaften. Denn wozu sollte man sonst lernen, wenn die Lehre nicht über den Tag hinauswiese, über das Menschenalter, über die gerade in Fleisch und Blut einherw andelnde Generation? o *j . Freilich, nicht die Namen der Lehre, Schule und Uberlieferung allein sichern eine Generation vor dem Absturz in das bloß einaltrige Leben.