Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 51)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2823768-2823781-2823783--0056-2823862
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

und sie zu restaurieren beflißnen: nur auf die, wie auchgeltungsarmen, Personen, die, jede in der tätigen Stille ihres Werkbezirks, für die Fortdauer der lebenden Substanz antworten, sie verantworten. So auch im Bereich der Erziehung. Die immer wieder vorgebrachte Frage „Wohin, auf was zu soll erzogen werden?" verkennt die Situation. Auf sie wissen nur Zeiten, die eine allgemeingültige Gestalt - Christ, Gentleman, Bürger - kennen, eine Erwiderung, nicht notwendig mit Worten, aber mit dem auf die Gestalt hin ausgestreckten Zeigefinger, die deutlich über aller Köpfen in der Luft steht. Das Bilden dieser Gestalt in allen Individuen, aus allen Stoffen, das ist die „Bildung44. Wenn aber alle Gestalten zerbrachen, wenn keine mehr die gegenwärtige Menschheitsmaterie einzubewältigen, einzugestalten vermag, was ist da noch zu bilden? Nichts anderes mehr als das Ebenbild Gottes. Das ist das undefinierbare, nur faktische Wohin des gegenwärtigen Erziehers, der in der Verantwortung steht. Eine theoretische Erwiderung auf die Frage „xAuf was zu?44 kann dies nicht sein, nur, wenn überhaupt, eine getane. Mit dem Nichttun getane. Der Erzieher steht jetzt mit in der Not, die er in der Umfassung erfährt, nur ein Stück Wegs tiefer in sie hinein. Er steht mit, nur ein Stück Wegs weiter aufwärts, im Dienst, zu dem er sprachlos aufruft, in der imitatio Dei absconditi sed non ignoti. ★ ★ ★ Wenn alle „Richtungen44 versagen, in der Finsternis über dem Abgrund ersteht die Eine wahre Richtung des Menschen, auf den schöpferischen Geist, auf den allüber den Wassern brütenden Gottesbraus zu - den, von dem wir nicht wissen, von wannen er kommt und wohin er fährt. Das ist die wahre Autonomie des Menschen, das Erzeugnis der Freiheit, die nicht mehr verrät, sondern verantwortet. Der Mensch, das Geschöpf, welches Geschaffnes gestaltet und umgestaltet, kann nicht schaffen. Aber er kann, jeder kann sich und kann andere dem Schöpferischen öffnen. Er kann den Schöpfer anrufen, daß er sein Ebenbild rette und vollende. 51

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.