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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 63

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 63 (sequence 67)
Language
German
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63 in Kenntniß. Ich ließ meine Praxis im Stich und reiste her, um meinem alten Wohlthäter Hülfe zu bringen, oder im schlimmsten die Augen zu schließen. Leider ist Ersteres nicht in der Macht eines Menschen, und nur das Letztere bleibt mir übrig. Unsere Unterhaltung mußte diesen Abend geschlossen werden. Ich begab mich nach Hause und war die ganze Nacht lies betrübt; der Schlaf flvh meine Augen. Das Unglück des Strafnoi, gegen welchen das Schicksal alle seine Grausamkeit zu üben schien, zog vor mir stückweise nach einander vorbei, und in jedem Abschnitte fand ich des Jammers -genug, um ein ganzes Leben zu vergiften; wie erst bei dem, welcher alles das zugleich erfahren mußte. Am folgenden Morgen war kaum die Sonne aufgegangen, als ich mich schon im Zimmer des Strafnoi befand. Der Doktor war einige Minuten vor mir schon da. Von den Aufgegriffenen war nur Einer zugegen, die andern drei waren nach ihrer Kaserne gegangen, um sich dort einige Zeit zu zeigen und dann zu ihrem sterbenden Vater zurückzukehren. Euch ist, wie es 'scheint, besser? sprach ich zum Kranken mich setzend. . Ungleich besser, antwortete er. — Das ist die ruhige Minute, welche dem Tode vorangeht. Ich blickte auf den Doktor hin, er beobachtete schmerzhaftes Schweigen. Besser, besser, suhr der Kranke fort, der Husten hat nachgelassen, ich habe schon alles Blut aus meiner Brust ausgeworfen; alles die Vorbedeutung zum Schluß; der Tod braucht nur zu kommen, Alles ist fertig. Gott ist bei euch, rief ich aus. Er ist bei uns Allen; — er ist in der ganzen Schöpfung, fuhr er mit feierlicher Stimme fort. Heil dem, welcher ihn in seinem ganzen Leben nicht vergißt; für ihn sind tausend Tode nicht schrecklich. Der Kleinmüthige fürchtet sich zu sterben, aber sterben ist durchaus nicht schwer, leben ist ungleich schwerer.

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