Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Bischofs, taufen und zog viele Glieder seiner Gemeinde mit sich zu seinem neuen Glauben. Mag auch eine Judenverfolgung und Bekehrung auf der Insel stattgefunden haben, mögen auch Viele aus Liebe zum Leben den frommen Wünschen des tauflustigen Bischofs gefolgt sein, keineswegs waren sie dem Judenthume so fremd und kalt geworden, daß die Bemühungen Sever's von so glücklichem Erfolge wären gekrönt gewesen, wie er es in seinem Sendschreiben glauben machen will. Zogen doch selbst die schwachen Frauen es vor, mit ihren Sclavinnen in die Wälder zu fliehen und sich in Schluchten zu verbergen, als von dem Judenthume zu lassen; um vieles lieber war ihnen ein elender Tod als genußreiches Leben in Abtrünnigkeit. Auch bei der an leuchtenden Momenten außerordentlich armen westgothischen Geschichte können wir bei dem Mangel aller Nachrichten über die Juden der Insel aus dieser Zeit nur vermuthen, daß auch sie von den auf den Toledaner Concilien decretirten Ausnahmsgesetzen und Bedrückungen mehr oder weniger betroffen wurden und daher wie ihreBrüder im spanischen Reiche die siegreich vorrückenden Araber freudig begrüßten. Unter der Herrschaft der Mauren mehrte sich die Zahl der Juden auch aus Mallorca. Vergleichen wir die wenigen Berichte, welche uns über ihre Verhältnisse aus dieser Zeit vorliegen, mit denen über ihre Glaubensgenossen im spanischen Reiche, so gelangen wir zu dem Resultate, daß ihre Lage der ihrer spanischen Brüder ziemlich ähnlich gewesen ist. Sie genossen freie Religionsübung, befanden sich im Besitze bürgerlicher Rechte, lebten mit einem Worte glücklich und zufrieden. Bald erhoben sich in Mallorca's Hauptstadt zwei Synagogen, eine größere in der Monte Sion's-Straße und eine kleineres; auf beide werden wir in der Folge zurückkommen. Die Juden waren reich, sie 3) Mut, 1. c. 301.