Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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60 5. Ich wünschte mit Ungeduld zu erfahren, was aus der Tochter des Strafnoi geworden sei, aber wagte nicht den Doktor mit Fragen zu belästigen, da ich sah, daß er sich schmerzlichen Gedanken überließ. Aber als wir in seiner Wohnung ankamen und uns aus den Diwan setzten, begann er selbst mir das zu erzählen, worüber ich zu fragen mich nicht entschließen konnte. Ich habe euch erst versprochen, von dem letzten Unglück des Vaters zu erzählen, sprach der Doktor. Das will ich jetzt; ihr müßt seine jammervolle Geschichte bis zu Ende wissen. Euch ist bekannt, wie seine Frau und seine ältere Tochter ihn schon heruntergebracht hatten, — wie erstere starb, als sie ihren Mann mit geschornem Haupte in dem Soldatenmantel erblickte, und die andere, meine Verlobte, verfiel in Wahnsinn. Ja, das ist mir bekannt, erwiderte ich. Auch dies, daß diese Tochter, nachdem sie mehrere Monate in stiller und friedlicher Geisteszerrüttung, die wir -Aerzte als ckutuitus bezeichnen, zugebracht hatte, unter fremden Händen im Spital jener Gubernialstadt aushauchte. Ja, der Alte sagte damals, er habe Nachricht von ihrer Krankheit, und wünsche ihr recht bald den Tod. Der arme Vater! Mein Freund trocknete sich die Thränen, welche aus seinen Augen hervorkamen, und schüttelte seine schwarzen Locken. Sagte er euch, wie ihn seine jüngere Tochter verließ? fragte er. Er sagte, daß man sie einer alten Verwandten übergab, um dieselbe zu' beaufsichtigen und bei ihr Elternstelle zu vertreten, erwiderte ich. Trefflich hat sie diese vertreten, nichts dagegen zu sagen, sprach der Doktor schmerzlich lächelnd. — Das Mädchen wuchs