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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 61

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 61 (sequence 65)
Language
German
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61 heran, ward täglich hübscher und man sagt, sie war schon, eine allerliebste Jungfrau; ich hatte sie verlassen, als sie noch Kind war. Ich machte damals meinen Kursus durch, und hatte die Absicht, sie zu heirathen, wenn sie einwilligte. Aber leider ist man mir zuvorgekommen. Was ist denn vorgefallen? Es kam zu ihr ein kleiner Beamter, welcher in der Nähe der Stadt ungefähr fünfzehn Bauern besaß. Die Alte war blind und stumpf, das Mädchen unerfahren und leichtfertig. Der elende Mensch entehrte sie und kam dann noch einige Monate hin;,aber ihre Lage konnte nicht verborgen bleiben. Der Verräther beredete sie, alles Silber im Hause und einiges Geld, welches man ihr noch zugesandt hatte, zusammen zu nehmen, mit ihm fortzugehen und ihrer Religion zu entsagen. Nachdem er sie so zur Armuth herabgebracht hatte, jagte er sie hartherzig fort, gerade in der Zeit, als die Geburt der Frucht ihres sündhaften Verhältnisses nicht mehr fern war. Sie suchte anfangs auf alle Weise ihre Schwangerschaft zu verbergen, und entschloß sich endlich aus Scham zum Verbrechen. — Man verhaftete sie und setzte sie in den Kerker, wo sie zwei Jahre zubrachte, und wo endlich alles Gefühl von Scham und Ehrbarkeit in ihr unterging. Ein alter, reicher Wüstling, von ihrer Schönheit entzückt, besreiete sie aus ihrem Elend und nahm sie zu sich in's Haus; aber nach dessen plötzlichem Tode erfuhr sie von Seiten seiner Verwandten dasselbe Schicksal wie bei ihrem ersten Verderber. WA blieb dem unglücklichen Mädchen, welches kaum achtzehn Jahre zählte, noch zu thun übrig? Zu ihrer Familie konnte sie nicht zurückkehren, wie sollte sie auch? Sie hatte sich von den Ihrigen aus freien Stücken losgesagt, und von ihnen nichts als Verachtung zu erwarten. Ohne Ueberlegung warf sie sich in den Abgrund des Verderbens und versank in demselben vollends. Schrecklich! rief ich aus, die Hände zusammenschlagend. Einige Jahre nach meiner Ankunft von der Universität,

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