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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 70

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 70 (sequence 74)
Language
German
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71 auf der Insel zu Macht und Geltung gelangten, wurden die Juden aus dieser Ruhe aufgescheucht. Geistliche und weltliche Schriftsteller berichten nämlich von einer großen Judenbekehrung, welche zu Ansang des 5. Jahrhunderts (418) durch Bemühung des Bischofs Sever aus der mit Mallorca verbundenen Insel Minorea stattgefunden haben söll.^) Daß das Schreiben, welches der Bischof an alle „Bischöfe, Presbyter, Diaconen und an die ganze Brüderschaft des Erdenrunds" erlassen hat, entstellt und zum größten Theil wohl gar erdichtet ist, steht eben so fest, wie es fraglich bleibt, ob die Juden der Insel in dieser Zeit gleichgültiger gegen das, ihre religiösen Angelegenheiten leitende Patriarchat wurden, und es nur der Veranlassung eines Bischofs bedurfte, um sie der Synagoge noch mehr zu entftemden. Das Einzige, was sich mit einer gewissen Sicherheit dem Schreiben Sever's entnehmen läßt, ist, daß sich der „reiche und mächtige Vorsteher der Insel, welcher nicht allein unter den Juden, sondern auch unter den Christen dieser Gegend in Ansehen und Würde der Vornehmste war," daß sich Theodor, welcher als der „Lehrer des Gesetzes, als der Vater der Väter galt und die wichtigsten Aemter erreicht hatte," daß sich „dieser Beschützer der Stadt" in Mallorca aushielt, um seine dort liegenden Güter zu besuchen, als Sever den Versuch machte, die jüdischen Bewohner der Insel zum Christenthum zu bekehren. Theodor, von den Plänen des Bischofs durch Boten unterrichtet, eilte in die Heimath. Die „Säule der Synagoge", wie se in dem Sendschreiben bezeichnet wird, soll zum Wanken gebracht worden sein; Theodor, zur Verzweiflung getrieben, ließ sich, nach dem Berichte des 2) vaineto, Historia general dei Reyno Balearico (Mailorca 1634) 150 ff.; Jost, Geschichte der Fsraeliten (Berlin 1824) IV, 243 ff., woselbst sich auch das Sendschreiben, datirt vorn 13. Februar 423. zum größten Theil übersetzt findet; Grätz, Geschichte der Juden (Berlin 1853) IV, 454.

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