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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1860-01-01 · Heft 1 · p. Seite 64

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1860
Issue
Heft 1
Date
1860-01-01
Page
Seite 64 (sequence 68)
Language
German
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64 Er seufzte tief auf. Ich lebte in Sorgen, fuhr er fort, ich setzte meine Freude in Dulden, und der Herr öffnete mir die Augen und zeigte mir, daß Alles vergänglich ist und gebrechlich. Als ich in. meiner Familie lebte, in Zufriedenheit und Glück, murrte ich oft über die Unruhe, die Beschwerden des gesellschaftlichen Lebens, da warf mich das Schicksal in den Kerker, das erschien mir als das größte Unglück; — man schor mir das Haupt, ich murrte wieder, ich war außer mir, ich glaubte, ein herberes Leid gäbe es nicht, — vor meinen Augen starb mein Weib, meine Tochter kam von Sinnen. Ich gerieth in Verzweiflung, ich meinte, über mich sei ein ganzer Berg voll Leid gestürzt, genügend für mehrere Geschlechter, aber mir war noch die Krone alles Frühern vorbehalten. Was die Erde bedeckt, wird vergessen, aber Schande! das ist fürchterlich! Mein eigenes Fleisch und Blut zieht Schmach herbei über mein Haupt! O das waren große Lehren! Mir blieb nicht Zeit, sie zu benutzen, mögen denn Andere daraus Nutzen ziehn! In diesem Augenblicke umgaben die eingetretenen Poimaniki das Bett des Greises. Auf seinem Gesichte zeigte sich Farbe, seine Augen glühten mit prophetischem Feuer, auf der Stirn traten Schweißtropfen hervor. Kinder, fuhr er fort, der Stolz des Menschen ist lächerlich und nichtig: Ein Wurm thut groß vor seinem Schöpfer! Aber Murren ist die größte Sünde; es ist eine Empörung gegen den Schöpfer, ein Zeichen von Unglauben an seine Gerechtigkeit. Murret nicht und verderbet nicht eure Seele. Alles hat sein Ziel und euch ziemet nicht dasselbe zu verfehlen. Erfüllet mit Ehren die Landesgesetze. Nehmet Alles mit Liebe auf und mit Liebe werdet ihr dafür gelohnt werden, mit überirdischer Liebe. Weinet nicht, Thränen sind Vorläufer des Murrens und führen geradehin dazu. Betet, betet, uns ist das Gebet zur Stärkung verliehen, nicht aber Thränen. Er hielt wieder einen Augenblick inne und begann dann von

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