Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 68)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2823768-2823781-2823783--0073-2823879
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Da werden es die leisen Schwingungen einer neuen, vergeistigten Führung, die stammelnden Worte einer neuen, für Männer bestimmten Lehre, die den entseelten Helden des Reiches neu ins Leben rufen. Vor dem Kriege ist die Jugendbewegung aufgebrochen, aus geheimem Ahnen, gerufen in die Zeit als Heilmittel gegen die falsche Zeit. Und vor dem Kriege war ein neuer Ton im Geistesleben hörbar geworden, aus geheimer Wiedererkennung der alten Offenbarung, gerufen in die Lehrhäuser als Heilmittel gegen die falsche, die tote Ewigkeit. Von Neuer Jugend und von Neuer Wissenschaft ist dann seit 1918 viel, ach viel zu viel, gerufen und geredet worden. Aber angesichts der Schwäche der im Kriege dezimierten Jugend und Geistesmannschaft und der Riesenhaftigkeit der Aufgabe war es vielleicht verzeihüch, daß man sich durch laute Zurufe selber Mut zusprach. Wenn sich aber Führung und Lehre kreuzen würden, gebunden und verbunden zur Erziehung eines mehraltrig, adlig also, lebensfähigen Geschlechts, die Spitzen der einährigen, ewig wechselnden Gemeinschaften des Tages und die diesem Tage zugekehrten Übersetzer der mehraltrig-unwandelbaren Lehre? Dannbrauchten sie nicht zu reden noch zu rufen, um sich im Waldesdickicht Mut zu machen. Denn dann käme es auf Stärke oder Schwäche nicht mehr an. Alle Quantitäten werden gleichgültig, wo die Qualität der Unsterblichkeit erreicht wird, wo sich die Wagrechte der Zeitkräfte und die Senkrechte des ewigen Geistes ineinander verfugen. Lehre und Führung sind dann in Ordnung. Nun am Ende aber kann es ja gesagt werden, daß Lehre und Führung nur Umschreibungen sind für die geistige und für die leibliche Gestalt des Gemeinschaftswesens Mensch; durch Lehre verfaßt sich die Seele des Menschengeschlechts durch die Zeit, durch Führung an jedem Tage in ihren Lebensraum zu der ihr erreichbaren körperschaftlichen Verwirklichung. So sind Lehre und Führung die Umrisse des politischen Wesens Mensch nach den Seiten der Ewigkeit und der Erscheinung. Und so kann man sagen: Wo Jugend mit Ehren alt wird und wo die Lehre sich allzeit erneuert, wo die Lehre fröhlich den Tag grüßt und die Jugend fröhlich das Alter, da sind Geist und Leib der Menschenkreatur geheilt und offenbaren sich als die ewige Zukunft und die heutige Gegenwart der gesunden Menschenseele. 68

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.