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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 65

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 65)
Language
German
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Die Gleichordnung von Zivil und Militär für die Volksordnung läßt sieh nicht länger behaupten, gerade weil der Vorrang des Militärs sich in diesem Kriege noch einmal in grandiosem Umfang aus- und zu Ende gewirkt hat. Wenn unsere Generalstäbler heute Kaufleute und Industrielle geworden sind, so ist damit mehr geschehen, als daß sie sich der äußeren Not gefügt haben. Die bisherigen Gesetze des Verhältnisses von Lehre und Führung haben sich damit aufgelöst. Die Proportionen zwischen einährigem und mehraltrigem Geiste sind fraglich geworden. Im o ö c n Faszismus haben wir eine Form der Lösung dieser offenen Frage: das D C> militärische Führungsverhältnis wird einfach in den Frieden, ins Zivü hineinprojiziert. Damit wird wenigstens echte Führung gerettet. Die Lehre wird dafür an die Wand gedrückt, verächtlich, ins Exil gejagt. Will man diesen Abfall in die Barbarei vermeiden, so muß die Lehre sich bequemen, statt zu Zivilisten zu Führern zu reden. Die Lehre muß sich für Männer statt für Jünglinge umstimmen, für Könige, Krieger, Häuptlinge der Politik statt für Beamte, Richter und Pfarrer. Wehe ihr, wenn sie's nicht tut. Führung muß sein, so wahr jede Kreatur ihr Leben haben muß. Denn die politische Gemeinschaft ist das kreatürliche Leben des Menschen. Also ist Führung die Art und Weise, in der sich die Fragmente des natürlichen Menschentums, die wir Menschen darstellen, in einem Leibe, einem „großen Menschen", jeweils verwirklichen und vollenden. Unentbehrlich ist Führung. Die Fascisten opfern darum der Führung die Lehre. Sie werden es freilich später büßen, wenn eine Generation vorbei ist. Denn dieser politische Leib ist rein geschöpflicher Art wie die Körperwelt. Und das heißt: er ist sterblich^ und so muß Lehre sein, so wahr der Geist alles einzelne geschöpf liehe Leben zu überleben trachtet. Zum ersten Male muß die Lehre Führer im Vollsinne, Führer für alle Aufgaben der Wirklichkeit/Führer für die bösesten und für die dämonischen Aufgaben im Reich der Schöpfung erziehen und schaffen helfen. Was Machttrieb, Ehrsucht, Ruhmbegier bisher dem Führer abgerungen haben, ruft heut nach Erlösung durch die Lehre. Das Böse, Grausame, Harte und Strenge der Politik ruft nach Aufnahme in den Bereich des Geistes, damit es dort seine Sinngebung und Läuterung empfange. Die Führung der Gesellschaft kann nur ein vom Geist gezüchteter Adel übernehmen. Versagt sich die Lehre diesem Ruf der Kreatur, so wird der Fascismus der Führerschaft a tout prix auch dort siegen, 65

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