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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 1 · page 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 1
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 63)
Language
German
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Bünden von gestern, von heute und von morgen hindurchsteuern muß und die deshalb die einen als Führer, die anderen als Lehrer einsetzen muß, um nicht mit jeder Generation vor dem Nichts, vor dem Weltkrieg, vor der Weltrevolution, vor dem Chaos zu stehen. Jede einährige Lebensordnung beruft die Sintflut hinter sich herauf in Gestalt einer Selbstvernichtung. Auch das Nebeneinander und Ineinander von ein paar solchen einaltrigen Ordnungen ist nur ein mechanisches Auskunftsmittel. Europa hat sich durch das „Gleichgewichtssystem4*, durch sein „Konzert", durch seine „Großmächte", durch seine Revolutionen mit einem solchen mechanischen System mehrerer einähriger Ordnungen beholfen; denn von den modernen europäischen Staaten waren die meisten nur auf ein Datum, ein Ereignis begründet und lebten kraft dieses Ereignisses und gruppierten alles um den Brennpunkt dieses einen Geschichtsdatums. Aber ihre Mehrzahl rettete die ewige Wiederkehr, ersetzte die Mehr alt rigkeit. 3. Dieser geschichtliche Aspekt kann uns aber etwas erklären helfen, was doch nun nach Lösung drängt: das Verhältnis der beiden Naturen der Lehrers und des Führers zueinander, die Art ihres Zusammenwirkens. Lehrer oder Führer, was wir in jedem Augenblick sein wollen, dazu müssen wir uns entscheiden. Daß die auf dem Zeitstrom fahrende Menschheit der Lehre und der Führung beider sich dauernd bedienen muß, ist nicht schwierig einzusehen, sobald man den Charakter beider Funktionen erkannt hat. Aber wie springt der Lehrer mit dem Führer um? Wo begegnet der Führer der Lehre? Indem wir diese Frage zum Schluß stellen, wollen wir auch begreifen, wie es zu der Führerkrisis heute hat kommen können und zu der Überflutung der Lehre durch Führung, der Geistesfreiheit durch Politik. Zwei große Verhältnisse nämlich zwischen Führung und Lehre haben bestanden und sich bewährt; zwei Verhältnisse, die heute beide verbraucht sind. Auf die Formel gebracht, hat das Abendland gelebt von dem Dualismus Mönch und Ritter, Europa aber von dem Dualismus Zivil und Militär. Beide Paare verkörpern die Spannung von Lehre und Führung, beide Paare bezeichnen diese Spannung auf verschiedene Weise. Mönch und Ritter im christlichen Abendland sind die Säulen des kirch- 63

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