Mannheim
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  1. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 303

    303 ich an diese Stunde denke. Denn wissen Sie, was für ein Gedanke mir unter den Thränen meiner Mutter, unter ihrem Lachen und Weinen gekommen ist? Es hat mich geärgert, daß mich meine Eltern so gar leicht erkannt hatten, daß sie kein Wort…

  2. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 304

    304 endlich vor lauter Zureden und Beschämung die schändliche Lüge: der berühmte Doctor Jonas Jeitteles in Prag hätte mir einmal in die Augen gesehen und gesagt: ich müßt' eine Brille tragen! »So bin ich nach vier Jahren in derFremde mit ei…

  3. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 305

    305 ließen. Denn wer es in der Welt am längsten aushält, der bat's ja gewonnen. , Das Schönste an der Sache war, daß bei dieser Narrethel mit der Brille mein Kopf für das Geschäft ganz unbrauchbar geworden war. Ich zeigte kein rechtes Gesch…

  4. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 306

    fdl, Und bei alle dem habe, ich nicht gewußt, was denn vorging. SabbaLH zu Nacht, nach der »Hawdala,« sagte mein Vater mit einem Male zu mir: >Eisik, ich Hab' mit Dir etwas zu reden, komm' auf -.meine Stube.« Zitternd und bange folgte ich i…

  5. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 307

    30 T »Bankrott-' war so gut wie fertig. In den zehn Tagen, die er verreist war, hatte der Vater halb Böhmen durchzogen und überall die Gläubiger ausgesucht, um sich mit ihnen zu vergleichen. Die meisten hatten sich mit ihm verglichen, nur e…

  6. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 308

    308 »Die Brille Hab' ich natürlich aufbehalten; cs muß, wenn ich darüber nachdenke, doch aus Trotz gewesen sein, wegen der vom Vater erlittenen Kränkung. In solcher Gemüthsverfafsung bin ich fort. »Nach Kollin hat man in jenerZeit beinahe z…

  7. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 309

    309 bendes Wesen bemerkt. Auf einmal höre ich aus einem Winkel eine dünne Stimme sagen: »Boruch habu«. Ich sehe hin woher die Stimme gekommen ist, und erblicke ein kleines Männchen, mit einem Sammtkäppchen auf dem Kopfe, vor einem großmächt…

  8. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 310

    »Du bringst also kein Geld mit, Jüngel?« »Nein,« antworte ich noch einmal und gar nicht keck, »aber der Vater will sich mit Ihnen vergleichen.« Da wird der kleine Krupp Feuer und Flammen, sein Gesicht roth und die Angen speien ordentlich ei…

  9. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 311

    31L kleines Kind habe ich angefangen zn weinen, und unaufhaltsam sind meine Thränen geflossen. Ich Hab' mich hingewünscht, wo mich kein Menschenauge mehr gesehen hätte und Hab' mein Leben verflucht. Mich so zu behandeln, mich, Anschel Maier…

  10. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 312

    312 Besinnung gekommen war, nicht glauben wollte, daß ich geträumt hatte. Aber es war nur meine eigene Stimme gewesen, die Stimme meiner eigenen Seele, die während meines Schlafes mit sich selbst gesprochen hatte. Ich konnte nicht mehr eins…

  11. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 313

    313 um Verzeihung bat. So weit war es mit mir gekommen! Und wie ein Ertrinkender nach einem Strohhalm, so habe ich nach diesem einzigen Mittel gegriffen, um mir Recht zu verschaffen. Dabei hat mich eine Freude ergriffen, als sollte ich an e…

  12. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 314

    314 »Ich konnte vor heftigem Weinen nicht antworten; er aber springt auf, gerade so wie gestern, und springt auf mich zu, als wollte er mir ein Leids anthnn. »Was willst Du wieder?« schreit er, »habe ich Dir gestern nicht die Thür' gewiesen…

  13. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 315

    315 mit große Veränderung vorgegangen. Gestern als Du bei mir eingetreten bist mit deiner kecken Miene und mit der Brill' aus der Nas', da war ich ergrimmt gegen Dich, und wärestDu vom Himmel gekommen, Du hättest bei mir nichts ausgerichtet…

  14. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. [Seite]

    Seite In h a ff. Gratz, Dr. H., Don Joseph, Herzog von Naros, Graf von Andros und Donna Gracia Naßi. Eine Biographie . 1 Grundbesitz, Ackerbau und Handwerk: a) Nappaport, Salomon, erster Oberrabbiner in Prag, Ueber das Ansehen, in welch em …

  15. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. [Seite]

    …Kalir, Kara, Nachmn n. s. w. glänzen die klassischen Namen Alfieri, Byron, Calderon, Fiorentino, Goethe, Heine, Herder, Victor Hugo, Humboldt, Klopstock, Lessiug, Lenau, Metastasio, Thomas Moore, Platen, Sylvio Pellieo, Pyrker, Racine, Rückert, Schleg…

  16. 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. [Seite]

    welche alle den originellen Geist des Judenthums spiegeln, in Herzen und Geistern lebendiger leuchten machen. Neben Fragmenten aus dramatischen Dichtungen wurde besondere Rücksicht auf das Deklamations-Gedicht genommen, was das Buch für die…

  17. 1856-01-01 · 1856 · page 2

    Jahresbericht s j ü d i s ch - t h e o 1 o gischen Seminars „Fraenckelscher Stiftung/' Breslau, am (Tedächtnisstage des Stifters, dem 27. Januar 1856. Voran geht; Ueber das Phokylideische Gedicht. Ein Beitrag zur h…

  18. 1856-01-01 · 1856 · page 3

    Die zweihundert und etliche, griechische Hexameter, welche zuerst iin Jahre 1495 unter dem Namen des Phokylides und mit dem Titel c Mahngedicht (noii\iia vov&suxov/ gedruckt wurden, haben seitdem den Wechsel der Gunst und Ungunst in vollste…

  19. 1856-01-01 · 1856 · page 4

    …men an noch so wörtlichem Zusammentreffen des Phokylides mit Moses; ja ein sehr verdienter Schulmann jenes Geschlechts,-Michael Neander aus Sorau, vermuthet sogar, dass die biblischen Anklänge im Phokylides auf den Einfluss eben der Sibylle zurückzuführen…

  20. 1856-01-01 · 1856 · page 5

    …en Lobspruch', offenbar weil er nnter Scaligers veterum die ganze altklassische Litteratur eingeschlossen glaubte. Aber Joseph Scaliger, der seinen eigenen Vater Julius soderb anlässt, weil dieser des Musäus Hero über den Homer setzt, der sollte selbst si…