Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 359)
- Language
- German
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315 mit große Veränderung vorgegangen. Gestern als Du bei mir eingetreten bist mit deiner kecken Miene und mit der Brill' aus der Nas', da war ich ergrimmt gegen Dich, und wärestDu vom Himmel gekommen, Du hättest bei mir nichts ausgerichtet. Heute aber erkenne ich Dich nicht mehr; Du List demüthig geworden, mein lieb Jüngel, und hast deine Brille ausgezogen! Dafür sollst Du sehen, was Joel Bidschos vermag! Nicht nur, daß ich von deinem Vater jeden Vergleich annehme, den er mir vorschlägt, sag' ihm auch, Joel Bidschos stellt ihm sein ganzes Vermögen zur Verfügung, damit er sich wieder aushelfe, und wenn er Dich fragt: Wie so hat Joel Bidschos sich so schnell geändert, so sag' ihm: »Joel Bidschos ist kein harter Mensch und thut das Alles, weil Du die Brill' ausgezogen hast! . . .« »Was soll ich weiter verzählen? Wie ich nach Hause gekommen bin? was mein Vater dazu gesagt hat? So etwas läßt sich nur erleben. Genug, Joel Bidschos hat treu und redlich sein Wort gehalten, der Vater hat sich wieder aufgeholfen, und ich bin ein tüchtiger Geschäftsmann geworden. Sie kennen mein gutes Weib. Gott soll mir sie noch lange erhalten! Sie W das Mädchen, das mir das erste Mal die Thüre zu Rebb Joels Stube gezeigt hat. Sie ist Rebb Joel Bidschof's Tochter, mit dem der Friede sei! »Das Alles ist geschehen, weil ich meine Brille ausgezogen habe. Die Brille Hab' ich noch; aber gebraucht Hab' ich sie seit jener fürchterlichen Nacht nicht mehr. Von La an schreibt sich mein Spruch her. Sie werden ihn jetzt verstanden haben, Herr Prediger!« Tiefbewegt drückte der junge Prediger meinem alten Rebb Eislk die Hand. »Ich gebe Ihnen mein Wort, Rebb Eisik,« sagteer milde, »ich werde sie mir merken, diese Geschichte von Ihrer Brille.«